Dezember 2009



Die Bestommung von Myrmica spp gehört zu den vielen schwierigen Aufgaben eines Myrmekologen. Viele Arten ähneln sich sehr, und sind oft nur anhand von Verhältnissberechnungen zu bestimmen. Daher kommt es schnell zu Fehlern durch die Messung, nur ein sehr erfahrener Myrmekologe ist in der Lage, ungefähre Diagnosen abzugeben. Glücklicherweise sind nicht alle Myrmica Arten so schwer zu bestimmen, der Fühlerschaft und die Knoten sind die wohl wichtigsten Merkmale.

Unsere wohl häufigste einheimische Myrmica-Art ist Myrmica rubra. Diese lässt sich zum Glück recht einfach noch mit geringer Vergrößerung bestimmen.
Zuerst zum Kopf:

Am Wichtigsten sind hier die Fühler. Man betrachtet die Fühlerbasis, also dort wo der Fühler am Kopf beginnt. Es befinden sich dort keine Knicke oder „Verformungen“ wie z.B. auf diesen Bild, sondern der Fühler geht recht gerade mit zunehmender Dicke hin vom Kopf weg, am anfang sehr dünn. Er ist höchstens um 40° gekrümmt.
Zu sehen hier:

Dieses Merkmal besitzen nur Myrmica rubra und Myrmica ruginodis. Diese unterscheidet man mithilfe der am Gaster befindlichen „Knoten“, Petiolus und Postpetiolus, und den (Propodeal)Dornen. Bei Myrmica rubra sind die Dornen etwas kürzer, und die Kuppe des Petiolus im Profil ist nicht klotzig und fällt beständig nach hinten ab.
Zu sehen hier:

Viel Spaß beim Bestimmen!  Doch es sollte gesagt werden, dass man nicht immer ein Mikroskop braucht, um verschiedene Arten auseinander zu halten. Ein erfahrener Myrmekologe erkennt bestimmte Arten recht schnell mit blosen Auge, da sich die Arten nicht nur durch diese genannten Merkmale unterscheiden, sondern auch durch Verhaltensweisen und ihren Habitus.
Freilich macht es auch viel mehr Spaß, die wunderschönen Tiere lebend zu beobachten.

Leider habe ich keine weitere genau bestimmte Myrmica-Art bei mir, bei den meißten Arten kommt man leider nicht so einfach weiter wie es bei Myrmica rubra der Fall ist…  Lediglich die Unterscheidung von Myrmica rubra und nicht-rubra ist leicht zu schaffen, auch mit bloßen Auge. Bei einigen Arten geht das wirklich auf einen Blick, aber mehr kann man dann auch nicht sagen, nur halt das es nicht M. rubra ist.
Hier ein Beispielsbild, mit der entscheidenden Stelle makiert:

Das mag zwar nach einen winzigen Detail aussehen, dass man erst nach genauen Betrachten mithilfe einer Lupe entdeckt, aber es ist gar nicht wirklich so schwer. Wie ich in weiter oben schon geschrieben habe, manchmal reicht ein einfacher Blick aus. Die Färbung, die Bewegungsweise, sie unterscheidet sich zumindest bei dieser Art eindeutig von Myrmica rubra. In diesem Fall war die Myrmica sehr gedrungen, relativ scheu, und drückte sich bei Gefahr flach auf dem Boden. Der Thorax war ausgeprägter im Vergleich zu M. rubra, die Gaster kleiner.
Nur Mithilfe von der aufwändigen Mikroskop-Mess-Technik geht es, leider ist das sehr aufwändig, und auch nicht immer zu 100% richtig, wenn man einen kleinen Fehler macht.


Leptothorax sp.: Finden, fangen und halten

Temnothorax Spezies erfreuen sich immer größerer Beliebtheit unter den Ameisenhaltern. Sie bilden kleine Völker, haben also so ziemlich überall Platz, niedrige Haltungsansprüche und können mit sehr vielen unterschiedlichen Arten vergesellschaftet werden.
Der Nachteil ist, sie sind sehr klein, und ohne Lupe hat man tatsächlich recht wenig von ihnen.

Nun gibt es eine Alternative zu dieser Gattung, die leider recht wenig gehalten wird. Leptothorax sp, die häufigste einheimische Art ist Leptothorax acervorum. Sie sind größer als Temnothorax Spezies, und daher besser zu beobachten.
Schade ist, dass sich diese Arten viele Leute in einem Ameisenshop kaufen, für Wucherpreise. Dabei ist es meißt recht einfach, welche zu Fangen und anschließend zu Halten.

Finden

Sowohl Leptothorax als auch Temnothorax besiedeln die unterschiedlichsten Habitate – von Nüssen bis hin zu Felsspalten. Aber sie graben (fast) nie selbstständig Erdnester, was ein sehr großer Vorteil für den Halter ist. Er braucht sich nie Sorgen zu machen, dass seine Ameisen unerwünscht ein Erdnest in der Arena bauen und hineinziehen, weshalb der natürlichen Gestaltung der Terrarien keine Grenzen gesetzt sind.
Das erleichtert außerdem das Finden und Einsammeln dieser Ameisen. Temnothorax findet man oft bequemerweise in alten Haselnüssen, Eicheln und Schneckenhäusern, gefundene Kolonien kann man so also leicht mitnehmen. Leptothorax hingegen sind dort seltener anzufinden, sie bevorzugen Totholz.
Auch Temnothorax kann man natürlich im Totholz finden, für sie gilt die selbe hier gezeigte Fangmethode.

Als erstes muss man ein geeignetes Habitat finden, dies sind für Leptothorax acervorum sonnenbeschienene Lichtungen und Waldränder in Nadelwäldern, am häufigsten in Kiefernwäldern. Obwohl sie die wahrscheinlich kältestresistenteste Ameisenart der Welt ist, bevorzugen sie sehr warme Orte. Hat man ein solches oder ähnliches Habitat gefunden, kann die suche losgehen.
Hier ein Beispielshabitat:

Nun sucht man Totholz auf dem Boden, wie kleine Ästchen. Wichtig ist ein Messer- damit spaltet man vorsichtig die verdächtigen Äste. Man sollte nicht zu große Stück entfernen, da sonst die Ameisen mitsamt Brut hinausfallen könnten. Man hält nun Ausschau nach einzelnen Arbeiterinnen oder Brut; Letothorax acervorum erkennt man an der leichten Zweifarbigkeit, ein dunkel brauner bis roter Thorax, mit schwarzen Kopf und Gaster.
Findet man dergleichen (siehe Bild), ist man sehr wahrscheinlich auf ein Nest gestoßen.

Ein Zeichen für ein Temnothorax oder Leptothorax Volk

Fangen

Um sie zu fangen, legt man erstmal den Ast vorsichtig auf die Seite, um den Fangbehälter zu präparieren.
Am Besten eigenet sich hierfür ein herkömmliches Marmeladenglas. Man füllt einfach herumliegenden, trockenen Staub und Dreck hinein, Deckel drauf, und dann kurz schütteln, und das ganze Ausleeren.
Wozu das? Der feine Staub verhält sich wie der berühmte Ausbruchschutz Talkum; er klebt in sehr geringen Mengen an der Glaswand. Keine Ameise kann nun den Rand hinaufklettern (funktioniert wirklich)! Ist das getan, nimmt man sich wieder den Ast, und klopft mit kurzen Schlägen Brut und Arbeiterinnen hinein. Sind keine mehr an dem Holz zu sehen, nimmt man wieder das Messer und öffnet vorsichtig weiter das Holz, bis man wieder Arbeiteirnnen ekrennt, und klopft diese ebenfalls hinein. Mit dieser Methode gehen kaum Arbeiterinnen oder Brut verloren. Nun untersucht man die im Glas befindlichen Ameisen auf eine oder mehrere Königinnen (Leptothorax acervorum ist fakultativ polygyn). Bei Temnothorax sind diese sehr deutlich zu erkennen, da sie etwas Größer sind als die Arbeiterinnen und einen ausgeprägten Thorax und Gaster haben. Bei Leptothorax ist das schwieriger zu erkennen, da die Königinnen den Arbeiterinnen sehr ähnlich sehen und sich kaum unterschieden.

Herausklopfen der Kolonie in ein Glas

Ist die Kolonie ausreichend untersucht, sollte man ihnen eine Möglichkeit zum Verstecken geben. Nicht nur, weil das den Stress der Tiere beendet, sondern auch weil dadurch das Umsetzen erleichtert wird. Man nimmt einfach ein Stückchen Totholz, und wirft es hinein, die Ameisen ziehen dann schnell in eine vorhandene Nische.

Halten

Leptothorax acervorum Arbeiterin an Zuckerwasser

Die Haltung dieser Ameisen gestaltet sich als recht einfach. Beide Gattungen lassen sich leicht mit Ameisen aller Art vergesellschaften, und bieten einen schönen Anblick. Leptothorax sind größer als Temnothorax, und eigenen sich daher besser für die Beobachtung.
Man kann sie nun in dem oben beigelegten zusätzlichen Nest lassen; Nachteil ist, man hat keine Nesteinsicht, was natürlich oft nicht erwünschenswert und langeweilig ist.
Nester für sie zu basteln ist recht einfach und unkompliziert. Es sollte ein Holznest sein, weil diese Art eben hauptsächlich in Totholz vorkommt. Das Holz sollte, wenn möglich. aus der Natur entnommen sein, da z.B. Pressplatten nicht einfach zu bearbeiten sind. Das Holz darf nicht splittern. Hat man ein passendes Stück gefunden, nimmt man einen Schraubenzieher und macht passende Gänge und Kammern in das Holz. Möglichst eng, die Art braucht es einfach eng. Es ist erstaunlich, welch geringe Platzanforderungen sie diesbezüglich haben.
Ist das getan, ist der Großteil eigentlich auch schon erledigt. Man legt es an die Scheibe, um besten abgestützt mit einen Ästchen, dann fällt es nicht um. Funktioniert sehr gut. Dann nimmt man die Ameisen, und öffnet leicht ihr jetziges Nest. Das macht sie nervös, und sie werden schnell in das vorgefertigte Nest umziehen, ohne Probleme.

Zur Überwinterung kann man sie einfach hinausstellen, Leptothorax acervorum wiedersteht größten Schwankungen und sehr extremer Kälte.

Mit besten Dank an Frank Mattheis.

Leptothorax acervorum im Holznest


Hallo,

bereits am 12.12. also nach 12 Tagen Puppenruhe ist die erste Arbeiterin geschlüpft. Weniger als 2 Wochen, und grob gesagt dauert die komplette Entwicklung vom Ei bis zur Arbeiterin (Pygmäe) etwa einen Monat.
Dann gab es einen doofen Zwischenfall; ich Idiot hatte die Watte nicht fest draufgedrückt, aus Angst die Luft könnte nicht so gut zirkulieren, weil die Watte ja sehr nass war. Ich bin aufs Ameisentreffen gegangen, und als ich wiederkam ein kleiner Schock; die Arbeiterin war weg, erkennbar ein kleiner Durchgang in der Watte. Und im Gigantiops Terrarium, eine geschockte Gigantiops Arbeiterin mit nur einen Bein. Sie ist heute gestorben, die Camponotus wurde aber von ihr getötet, vielleicht wegen der Ameisensäure.

So unvorsichtig werde ich nie wieder sein! Heute ist dann wieder eine weitere Arbeiterin geschlüpft. Hier mal ein Bild;


Brut:

Eier: ca 5
Larven: ca 6-8
Puppen: 4


Heute hat sie nun ihre 4te Puppe bekommen. Es scheint ihr also gut zu gehen, und gestern ahbe ich auch ein gutes Bild hinbekommen, auf welchen man die Größenunterschiede der Larven gut erkennen kann.

Das wars soweit.

Puppen: 4
Larven: ca 19?
Eier: unbekannt/wahrscheinlich keine
+Königin


Gute Nachichten! Heute, am 1. Dezember 2009, also genau nach 18 Tagen nach der ersten Eiablage (13.11.), gibt es die erste(n) Puppe(n)! Sie ist nicht sonderlich groß, aber es ist ja auch nur eine Minorarbeiterin. Ich finde die Entwicklungszeit erschreckend schnell, was wohl aber auch an der hohen Temperatur und der guten Fütterung liegen kann. Des weiteren ist interessant, wenn man die unterschiedliche Entwicklung der jetzt vorhandenen Larven anschaut.
Unterschiedlicher könnte es kaum sein! Sie sind alle fast zur selben Zeit geschlüpft, wie man vielleicht den Bild entnehmen kann. Ich weiß keine Erklärung hierfür, vielleicht zeigen sich schon jetzt größere Arbeiterinnen, die länger in der Entwicklung brauchen? Oder wurden die Larven nur ungleichmäßig gefüttert? Die Haltungsparameter sind gleich, und nie geändert worden. Wenn man auf meinen vorherigen Post blickt, habe ich die Entwicklung völlig fehl eingeschätzt. Wenn die Eier sich innerhalb von 2 einhalb Wochen zur Puppe entwickelt haben, dürfe es kaum länger dauern, bis sie auch schlüpfen. Ich bin gespannt.
Hier zwei Bilder. Leider habe ich keine guten hinbekommen der Brut, und hinzu kommt noch, dass sie diese anscheinend wahllos im Reagenzglas verteilt- dewegen erkennt man auch die Größenunterschiede nicht. Die Puppen selbst sehen etwas lapprig-lederig aus…


Ein neues Terrarium ist ebenfalls geplant, ich habe ein 20×30 Terrarium hier herumstehen. Es wird mit einem Gasbetonnest an der Scheibe eingerichtet, es soll aber trotzdem sehr natürlich und Regenwaldartig eingerichtet werden. Die Ameisen werde ich aber noch solange im RG halten, sobald mindestens 3 Arbeiterinnen vorhanden sind- andernfalls lohnt es sich gar nicht, sie einzusetzen, außerdem scheinen die Bedingungen so optimal zu sein, wie ich sie in dem Terrarium wohl nicht hinbekommen werde (komplett ohne Schwankungen etc).

Eier: unbekannt/wahrscheinlich keine
Larven: ein paar
Puppen: 2 (?)
Arbeiterinnen: keine
+Königin

Grüße, Phil