Leptothorax sp.: Finden, fangen und halten

Temnothorax Spezies erfreuen sich immer größerer Beliebtheit unter den Ameisenhaltern. Sie bilden kleine Völker, haben also so ziemlich überall Platz, niedrige Haltungsansprüche und können mit sehr vielen unterschiedlichen Arten vergesellschaftet werden.
Der Nachteil ist, sie sind sehr klein, und ohne Lupe hat man tatsächlich recht wenig von ihnen.

Nun gibt es eine Alternative zu dieser Gattung, die leider recht wenig gehalten wird. Leptothorax sp, die häufigste einheimische Art ist Leptothorax acervorum. Sie sind größer als Temnothorax Spezies, und daher besser zu beobachten.
Schade ist, dass sich diese Arten viele Leute in einem Ameisenshop kaufen, für Wucherpreise. Dabei ist es meißt recht einfach, welche zu Fangen und anschließend zu Halten.

Finden

Sowohl Leptothorax als auch Temnothorax besiedeln die unterschiedlichsten Habitate – von Nüssen bis hin zu Felsspalten. Aber sie graben (fast) nie selbstständig Erdnester, was ein sehr großer Vorteil für den Halter ist. Er braucht sich nie Sorgen zu machen, dass seine Ameisen unerwünscht ein Erdnest in der Arena bauen und hineinziehen, weshalb der natürlichen Gestaltung der Terrarien keine Grenzen gesetzt sind.
Das erleichtert außerdem das Finden und Einsammeln dieser Ameisen. Temnothorax findet man oft bequemerweise in alten Haselnüssen, Eicheln und Schneckenhäusern, gefundene Kolonien kann man so also leicht mitnehmen. Leptothorax hingegen sind dort seltener anzufinden, sie bevorzugen Totholz.
Auch Temnothorax kann man natürlich im Totholz finden, für sie gilt die selbe hier gezeigte Fangmethode.

Als erstes muss man ein geeignetes Habitat finden, dies sind für Leptothorax acervorum sonnenbeschienene Lichtungen und Waldränder in Nadelwäldern, am häufigsten in Kiefernwäldern. Obwohl sie die wahrscheinlich kältestresistenteste Ameisenart der Welt ist, bevorzugen sie sehr warme Orte. Hat man ein solches oder ähnliches Habitat gefunden, kann die suche losgehen.
Hier ein Beispielshabitat:

Nun sucht man Totholz auf dem Boden, wie kleine Ästchen. Wichtig ist ein Messer- damit spaltet man vorsichtig die verdächtigen Äste. Man sollte nicht zu große Stück entfernen, da sonst die Ameisen mitsamt Brut hinausfallen könnten. Man hält nun Ausschau nach einzelnen Arbeiterinnen oder Brut; Letothorax acervorum erkennt man an der leichten Zweifarbigkeit, ein dunkel brauner bis roter Thorax, mit schwarzen Kopf und Gaster.
Findet man dergleichen (siehe Bild), ist man sehr wahrscheinlich auf ein Nest gestoßen.

Ein Zeichen für ein Temnothorax oder Leptothorax Volk

Fangen

Um sie zu fangen, legt man erstmal den Ast vorsichtig auf die Seite, um den Fangbehälter zu präparieren.
Am Besten eigenet sich hierfür ein herkömmliches Marmeladenglas. Man füllt einfach herumliegenden, trockenen Staub und Dreck hinein, Deckel drauf, und dann kurz schütteln, und das ganze Ausleeren.
Wozu das? Der feine Staub verhält sich wie der berühmte Ausbruchschutz Talkum; er klebt in sehr geringen Mengen an der Glaswand. Keine Ameise kann nun den Rand hinaufklettern (funktioniert wirklich)! Ist das getan, nimmt man sich wieder den Ast, und klopft mit kurzen Schlägen Brut und Arbeiterinnen hinein. Sind keine mehr an dem Holz zu sehen, nimmt man wieder das Messer und öffnet vorsichtig weiter das Holz, bis man wieder Arbeiteirnnen ekrennt, und klopft diese ebenfalls hinein. Mit dieser Methode gehen kaum Arbeiterinnen oder Brut verloren. Nun untersucht man die im Glas befindlichen Ameisen auf eine oder mehrere Königinnen (Leptothorax acervorum ist fakultativ polygyn). Bei Temnothorax sind diese sehr deutlich zu erkennen, da sie etwas Größer sind als die Arbeiterinnen und einen ausgeprägten Thorax und Gaster haben. Bei Leptothorax ist das schwieriger zu erkennen, da die Königinnen den Arbeiterinnen sehr ähnlich sehen und sich kaum unterschieden.

Herausklopfen der Kolonie in ein Glas

Ist die Kolonie ausreichend untersucht, sollte man ihnen eine Möglichkeit zum Verstecken geben. Nicht nur, weil das den Stress der Tiere beendet, sondern auch weil dadurch das Umsetzen erleichtert wird. Man nimmt einfach ein Stückchen Totholz, und wirft es hinein, die Ameisen ziehen dann schnell in eine vorhandene Nische.

Halten

Leptothorax acervorum Arbeiterin an Zuckerwasser

Die Haltung dieser Ameisen gestaltet sich als recht einfach. Beide Gattungen lassen sich leicht mit Ameisen aller Art vergesellschaften, und bieten einen schönen Anblick. Leptothorax sind größer als Temnothorax, und eigenen sich daher besser für die Beobachtung.
Man kann sie nun in dem oben beigelegten zusätzlichen Nest lassen; Nachteil ist, man hat keine Nesteinsicht, was natürlich oft nicht erwünschenswert und langeweilig ist.
Nester für sie zu basteln ist recht einfach und unkompliziert. Es sollte ein Holznest sein, weil diese Art eben hauptsächlich in Totholz vorkommt. Das Holz sollte, wenn möglich. aus der Natur entnommen sein, da z.B. Pressplatten nicht einfach zu bearbeiten sind. Das Holz darf nicht splittern. Hat man ein passendes Stück gefunden, nimmt man einen Schraubenzieher und macht passende Gänge und Kammern in das Holz. Möglichst eng, die Art braucht es einfach eng. Es ist erstaunlich, welch geringe Platzanforderungen sie diesbezüglich haben.
Ist das getan, ist der Großteil eigentlich auch schon erledigt. Man legt es an die Scheibe, um besten abgestützt mit einen Ästchen, dann fällt es nicht um. Funktioniert sehr gut. Dann nimmt man die Ameisen, und öffnet leicht ihr jetziges Nest. Das macht sie nervös, und sie werden schnell in das vorgefertigte Nest umziehen, ohne Probleme.

Zur Überwinterung kann man sie einfach hinausstellen, Leptothorax acervorum wiedersteht größten Schwankungen und sehr extremer Kälte.

Mit besten Dank an Frank Mattheis.

Leptothorax acervorum im Holznest

Advertisements