März 2010



Kleines Video von meinen Polyrhachis bei der Fütterung. Die Kolonie ist klein, zieht aber viele Larven auf, weshalb sie sehr gefräßig sind.


So,

es wird Zeit für ein großes Update. Was soll ich sagen, es ist einiges passiert. Ganz allgemein gesagt, der Frühling ist eingekehrt. Die Pflanzen wachsen wie verrückt, vor allem das Efeu wuchert hier alles zu. Außerdem wächst eine bekannte Pflanze vom letzten Jahr erneut zu stattlichen Ausmaßen heran. Auch an anderen Stellen sprießen mir bislang unbekannte Triebe empor, bin gespannt, was der Frühling sonst noch so alles hervorbringt.
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Es ließen sich derweil einige Käfer und Motten finden, welche auch nicht häufig erwartungsvoll gegen meine Fenster flogen. Seis drum, ich setze sie jedes Mal zurück. Auch lief mir dann plötzlich eine bisher unbekannte, aber erschreckend große Spinne vor die Linse.
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Sie hockt bei dem Bilder auf dem Nest der Leptothorax acervorum.
Ja, das Waldterrarium macht Spaß, man kann lange Zeit davor sitzend verbringen, immer auf der Suche nach etwas neuen. Zu meiner Freude erstaunlich viele unterschiedliche Arten von Springschwänzen, manche sogar größer als eine Leptothoraxarbeiterin. Wenn die Lampe des Aquariendeckels an ist, erwärmt sie alles recht schnell. 26°C sind keine Seltenheit- und dann sind die Leptothorax in ihrem Element, sie zeigen ihre ganze Gewandtheit. Ich muss dazu sagen, sie erinnern mich eher an Pseudomyrmecinen als an Temnothorax. Letzte sind plump unterwegs, keine Jäger. Bei den Leptothorax konnte ich schon eine Arbeiterin mit einem gefangenen Springschwanz sehen, gute Jäger. Die Unterschiede der Gattungen sind sehr gut erkennbar, wenn man sie in direkter Nachbarschaft hält.
Jedoch muss ich mir zugestehen, so sonderlich gut lief ihre Beziehung zueinander (Leptothorax-Temnothorax) nicht ab, und ich trage meinen Teil dazu bei. Ich habe einen Fehler gemacht, den man eigentlich hätte vorraussehen sollen. Niemals vor dem Nesteingang einer Art füttern! Ich wollte den Leptothorax etwas gutes tun, und habe ihnen ein Heimchenstückchen vor den Ast geschmissen. Letztendlich angelockt hat es unzählige Temnothorax, die die Leptothorax ganz schön beunruhigten. Wild rannten die Leptothorax umerh, während immer mehr Temnothorax durch Tandemläufe einen Weg zum Futter fanden.
Interessanterweise jedoch blieb alles ohne Todesopfer, sie ärgerten sich nur gegenseitig, aber stachen nie ernsthaft zu, obwohl ich mir Temnothorax gut als Beute von Leptothorax vorstellen könnte. Die dumme Situation hatte wenigstens den Vorteil, dass ich per Video ihre Beziehung zueinander festhalten konnte;

Man ignoriere den schrecklichen Sound. Man sieht gut, wie die Leptothorax nach der Temnothorax schnappt- im Hintergrund wuseln auch ihre Schwestern umher.

Man lernt aus seinen Fehlern. Ich war sehr beeindruckt von der guten Rekrutierung der Temnothorax, und prombt beschloss ich neue Versuche. Auf ein weißes Blatt Papier wurde wieder ein Teil eines Heimchens gelegt, und dann beobachtet. Leider waren sie vom vorherigen Heimchen so satt, dass ich kaum Rekrutierung beoabchten konnte. Ich werde den Versuch wohl wiederholen müssen.
Hier ein Bild, kurz nach dem Aufbau;
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Und dann einige Zeit später:
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Nun aber zu einer weiteren, wie ich finde höchst interessanten Ameisenbeziehung, und zwar Temnothorax zu Temnothorax. Ich habe mindestens 3 verschiedene Nester im Waldterrarium, was passiert wenn eigentlich befremdete Arbeiterinnen aufeinander treffen? Das erste Mal konnte ich kaum festhalten, so schnell ging es. Zuerst wurde kurz betrillert, und dann versuchten sie dich Arbeiterinnen zu stechen, bis sie hinunterfielen und ich nicht weiter beobachten konnte. Also durchaus aggressiv!
Bei dem zweiten Mal passierte etwas interessanteres- die eine Arbeiterin schnappte die andere mit ihren Mandibeln, und hielt sie fest. Beide rühten sich nicht, fingen aber wild an zu stirdulieren.
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Das ging etwa 3 Minuten so, bis eine Leptothorax die Beiden aufscheuchte. Wer weiß, wie lange sie noch in dieser Pose verweilt hätten?

Einmal konnte ich eine Leptothoraxarbeiterin beim Transportieren eines Samens beobachten, der Sinn ist mir bis jetzt nicht klar- es waren keinerlei Elaiosomen vorhanden. Ich nehme an, sie verwendete ihn nur als Nistmaterial.
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Ich muss aber noch über einen weiteren Fehler meinerseits berichten, einen weitaus tragischern der viele Opfer forderte. So ist mir letztes Jahr fast alles ausgetrocknet, und jetzt hab ich alles überflutet- das Wasser steht im Terrarium, und ich habe es zu spät gemerkt.
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Das geht jetzt schon 3 Tage so, und ich bin sicher es hat einigen Tausendfüsslern, Asseln und Regenwürmer das Leben gekostet. Mir bleibt nicht anderes übrig als zu warten, bis das ganze weggetrocknet ist. Ein paar sind aufgetaucht, um sich davor zu retten. Übrigens auch was besonderes, was mich überraschte. Als ich Zuckerwasser träufelte, saß sie plötzlich da:
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Eine Myrmica Königin! Woher kommt sie? Hat das Wasser sie aus ihrer Bruthöhle gelockt? Kam sie mit der neuen Einrichtung, oder ist sie die letzte Überlebende des Myrmica-Volkes vom letzten Jahr? Viele Fragen, die ich mir nicht beantworten kann. Es handelt sich Myrmica rubra, und stolz bin ich über ein Bild von ihr das mir heute gelungen gelungen ist:
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Die Liebe hat wirklich ganz brav stillgehalten.
Und als Belohnung gab es ein Heimchenfüsschen, das sie tapfer gegen Temnothorax verteidigte:
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Und ich muss noch über was ekliges schreiben, schaut Euch mal diese Würmer an, sie parasitieren zwei meiner Nacktschencken [Amerkung: im Nachhinein stellte sich heraus, das es sich nicht um Parasiten, sondern um Geschlechtsorgane handelte]:
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Das wars erstmal


Hallo,

es geht weiterhin steil aufwärts mit der Kolonie. So hat die letzte Zählung das hier ergeben:

ca  113 Arbeiterinnen, mit der Zahl hatte ich nicht gerechnet. Und, es kommt noch besser. Gestern abend beim hineinschauen, ganz unerwartet, eine große Arbeiterin mit herzförmigen Kopf – meine erste Media Arbeiterin? Vielleicht auch Major, aber ich glaube, da geht noch mehr.

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Und hier, ein Blick in die Kammer der größten Larven. Man erkennt auch, die Arbeiterinnen kauen auf Überresten von Heimchen herum.
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Grüße, Phil


Heute gab es bei meinen Messor cf. wasmanni ein kleines Heimchen zum Futtern. Die Ameisen leben fast vollständig im Sand, nur ein paar lassen sich noch im Ytongnest blicken, darunter oft auch die Königin. Liegt daran, dass die Heizungswärme dort empor steigt- die Brut wird auch sichtbar dort an der Scheibe abgelagert. Über die Volksgröße kann ich leider keine Aussagen machen.
Der Nachteil ist, dass wenn ich gieße, oft die Brut unter Wasser steht. Die Ameisen kommen erstaunlich gut damit klar, nach dem Bewässern versammelt sich das gesamte Volk im Gasbeton, und ich kann ein Blick auf es werfen. Bisher gab es noch keine Verluste, und ich muss ja auch nicht besonders oft bewässern, da sich die Feuchtigkeit gut im Sand hält- Das Gras, dass überall wächst, sorgt zusätzlich für Stabilität der Ameisenbauten.
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Hier sieht man einen der Nesteingänge. Interessant sind die Aushübe. Die Ameisen verteilen diese rund um den Eingang, so dass langsam ein Krater entsteht. Ich sehe sie fast den ganzen Tag graben, wobei diese Tätigkeit von den kleinsten Arbeiterinnen verichtet wird. Im Hintergrund auch ein altes RG, in dem sie früher lebten. Heute als Wassernotreservoir, das bisher zum Glück noch nie benötigt wurde.
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Hallo,

nun, ich denke seit einigen Tagen können wir den Frühling als „anwesend“ bezeichnen. Aktiv sind mittlerweile fast alle Ameisenarten, ausgeschlossen bis jetzt noch bei mir Camponotus fallax und truncatus. Dafür wuseln die Lasius umso mehr. Und auch die wärmeliebenden Formica cf. rufibarbis zeigten mir ihr Gesicht und ihre Schnelligkeit. Ihre Eingänge sind unauffällig, befinden sich aber fast immer an den wärmsten Stellen der Umgebung.
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Die Lasius sitzen derweil als dicke, schwarze Klumpen an der Unterseite von Steinen.
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Aber dann, ein Fund, welchen ich mir schon länger ersehnt hatte. Neben einen Acker, im Schatten eines einsamen Kirschbaumes, lag ein flacher Stein, den ich nichtsahnend anhob. Und tatsächlich, endlich eine Myrmica! Und keine M. rubra, sondern eindeutig eine andere Art, wohl eine von denen, die auf trockene Habitate spezialisiert sind. Klotziger Körperbau, deutlich dunkler und bulliger gebaut als der von M. rubra. Zudem besitzt der Scapus einen kleinen Knick, und ist recht breit. Der Petiolus (und Postpetiolus) ist recht klotzig und breit.
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so, nun wirds Zeit, dass ich mal wieder berichte. Das Reagenzglas wurde kleiner und kleiner für die Ameisen, immer mehr Brut kam. Die Ameisen reagierten mit seltsamen Verhalten darauf, als ich sprühte, fingen sie an ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Teile der Scheibe wurden total mit Sand zugepappt, und auf das Reagenzglas haben sie eine seltsames Gebilde gemacht. Sieht auf wie ein langes Brett, nur halt aus Sand.Außerdem haben sie Tunnel gegraben und Türmchen gebaut. Ich denke, ein eindeutiges Zeichen!
Außerdem war die Aktivität sehr hoch in der Nacht, ca 30 Ameisen sind am furagieren. Ich konnte sogar schon Heimchen lebend verfüttern, und die Rekrutierung beoabchten. Diese geht wohl von Alarmstoffen aus, denn dort wo eine Arbeiterin das Heimchen hatte, stürmten sofort neue dazu. War das Heimchen entkommen, verblieben sie noch an der ehemaligen Stelle, machten es aber immer recht schnell wieder ausfündig.
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Ein paar Arbeiterinnnen am Zuckerwasser:
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Beim Ameisenseminar in Karlsruhe schließlich habe ich mir einen kleinen Ytongklotz mit passender Scheibe gekauft, sowie etwas Paraffinöl (zuvor hatte ich Talkum verwendet). Ich bearbeitete schließlich gestern abend den Klotz, braute eine spezielle Bewässerung ein, und verband das Ganze mit einem Schlauch, den ich letzendlich von oben in die Arena einführte. Außerdem wurde eine Heizmatte am Nest angebracht. Die Ameisen beäugten sofort misstrauisch den Schlauch, und trauten sich nach und nach hinein. Nach mehreren Stunden, es war nachts, hatten sich schon ein paar Arbeiterinnen an der Heizmatte im Nest versammelt.
Als ich heute hineinschaute, tatsächlich, das gesamte Volk in einer Kammer direkt unter der Heizmatte. Wundert mich etwas, dass sie so nah daran sind. Polyrhahcis dives hatte sich nie so nah heran getraut, und auch Gigantiops hielt bisher immer Abstand. Die Heizmatte erwärmt sich auf etwa 30°C. Die Ameisen mögens richtig warm!
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Die Bewässerung funktioniert so; Einfach mit der Säge einmal einen Ritz reingesägt, und auf eine Mon Cherié Packung geklemmt. Dort komtm das Wasser rein, und es zieht sich im Ytong hoch. Funktioniert momentan sehr gut!
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Diese leider halb-tote Königin (sie zuckt nur noch mit einem Bein) habe ich heute durch Zufall in meinen Garten in einem alten Ast, welcher auf dem Boden herumlag (wohl vom Sturm heruntergepustet), gefunden. In dem Baum selbst finden sich sicherlich weitere Königinnen, da er auch schon von einem etwas größeren Volk bewohnt wird. Der harte Winter in dem dünnen Zweig hat ihr zu arg zu schaffen gemacht, ich glaube sie kann ich nichtmehr aufpäppeln.
Trotzdem interessant. Die Königin hat die typische Kopfform der berühmten Türschließermorphe. Anmutend viereckig. Auch ihr restlicher Körperbau ist so konstruiert, dass sie perfekt in runde Löcher hineinpasst. Sie gründet claustral in beispielweise hohlen Zweigen. Typisch sind auch die zwei Punkte (bzw ein weißer Strich) auf ihrem Hinterleib, welchen auch Arbeiterinnen besitzen. Das war der Grund, warum ich meinen ersten C. truncatus Fund für Dolichoderus quadripunctatus hielt, aber das ist eine andere Geschichte.
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