Die Ameisenarten Thailands – Teil 1

typische Ameisen in Haus & Garten in Bangkok

Bangkok liegt in Zentralthailand direkt an der Küste. Es ist eine sehr große Stadt, welche die verschiedensten Habitate auf weißt. In dem ersten Teil über die Ameisenarten Thailands wird ausschließlich um ein untersuchtes Grundstück in Bangkok berichtet. Denn schon dieser unscheinbar kleine Lebensraum weißt eine große Biodiversität mit vielen Ameisen und Termitenarten  auf. Zunächst erscheint es etwas langweilig, ausgerechnet ein Habitat zu wählen, dass auf natürlichen Wege eben nicht existieren würde. Doch bei genauerer Betrachtung versteht man, welche Auswirkungen der Faktor Mensch in der Natur hat. Einige Arten treten zuweilen als Hausschädlinge auf, die sogar den „abgehärteten“ Thailändern Probleme machen. So erzählte mir die Bewohnerin des Hauses, dass sie sehr viel Geld für die halbjährige Bekämpfung gegen die Ameisen ausgibt.

Kommen wir zuerst zu den Hausameisen selbst. Am Tage sieht man oft an vielen Ecken und Enden die wohl typischste Hausameise der Welt, Monomorium pharaonis, die Wände raus und herunter krabbeln. Der Zucker, welcher in einer großen Box aufbewahrt ist, wird im Kühlschrank verstaut, weil er dort sicher(er) vor den Ameisen ist. Die kleinen Ameisen hatten augenscheinlich das Haus unter Kontrolle, trotzdem waren sie beinahe, wohl für einen Laien, sogar unauffällig. Schlimme Befall wie z.B. im Telephon oder im Computer von denen man öfters hört, waren nicht feststellbar, der Nistbereich fand sich in Fugen an der Wand und hinter Schränken, zumindest verschwanden dorthin die langen Ameisenstraßen. Auffällig war der starke Erkundungsdrang, einzelne Arbeiterinnen waren wegen der Größe zwar unauffällig, aber bei genauen Hinsehen fand man eigentlich überall welche. Schon nach einer Nacht sammelte sich eine große Anzahl dieser Arbeiterinnen in dem Koffer meines Vater, meiner blieb größtenteils leer, Gründe dafür gab es zumindest keine Ersichtlichen. Nachts offenbarte sich eine zweite Hausameise, was mich persöhnlich sogar überraschte. Überall huschten schnelle, recht große Camponotus umher, sie waren eindeutig nachtaktiv. Wenn sie aktiv waren, furagierten sie überall, selbst in der Toilette.
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Zuvor war mir nicht bewusst gewesen, dass solche hübschen Tiere als „böse“ Hausameisen auftreten. Ob sie einheimisch war oder nicht, weiß ich leider nicht. Neststandorte konnte ich trotz Zufüttern der Arbeiterinnen nicht ausfindig machen. Das war es auch schon mit den Ameisen im Haus selbst.

Der Garten wies eine deutlich höhere Artenvielfalt auf. Erst mal jedoch sollte klargestellt werden, inwiefern sich der kleine Garten überhaupt von der Natur unterscheidet.
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In großen Teilen von Thailand gibt es eine Monsun und Trockenzeit. Zum Zeitpunkt meines Besuches war Trockenzeit, die natürlichen Wälder hatten alle keine Blätter, und der Boden war staubig, dazu aber in den anderen Teilen mehr. Damit der kleine Garten grün bleibt, wird er in der Regel einmal am Tag befeuchtet, dass heißt mit dem Wasserschlauch abgespritzt. Dadurch erreicht auch der Boden eine gewisse Grundfeuchtigkeit, was meines Erachtens eine Vorraussetzung für die Besiedlung verschiedener Arten ist. Zuerst zur typischen Hausameise, Monomorium pharaonis. Sie hatten eine Straße aus dem Haus heraus auf der Terrasse, aber anscheinend kein wirkliches Nest außerhalb. Ich fand sie nur an einer Stelle, anscheinend war das Haus ihr Hauptbesiedlungsort.
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Eine weitere Myrmicinae, und zugleich auch die einzige die ich dort neben Monomorium vorgefunden habe, war eine sehr kleine Pheidole Spezies. Sie war rot gefärbt, und im ersten Moment war mir nicht klar, dass es sich um Pheidole handelte, bis nach der Zufütterung erste Soldaten auftauchten. Sie waren eigentlich sehr hübsch, und bildeten eine gute Straße zu ihrer Futterquelle. Sie siedelten an einer sonnenbeschienen, trockenen Stelle.
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Rote Pheidole sp.

Sie waren etwa anderthalb Millimeter lang, und nur mit guter Lupe zu erkennen.
Nach einiger Suche ließ sich im Garten, in den feuchteren und schattigeren Bereichen unter Steinen auch eine sehr kleine Ponerinae entdecken, sie ähnelte stark den in Deutschland beheimateten Ponera coarctata. Nur waren sie rot, was wohl der Grund war warum ich sie überhaupt entdeckte. Ein eindeutiges Nestzentrum war nicht auszumachen, ihre Brut fand sich überall verstreut, sie hatten ein ausgeklügeltes und kompliziertes Gangsystem. Auch wenn ich nie mehr als 10 Arbeiterinnen an einer Stelle gesehen habe, traue ich mich nicht zu behaupten, dass die Völker allgemein klein waren, da eben überall welche auffindbar waren, es ist gut möglich dass es sich die ganze Zeit nur um ein einziges Volk gehandelt hat. Derartige Ponerinen fand ich sonst nirgends, weil nur hier im Garten anscheinend die Feuchte für diese Spezies ausreichte.
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Die roten Ponerinen.

Alle weiteren vorgefunden Arten waren ausschließlich Dolichoderinen, wahrscheinlich größtenteils Tapinoma oder ähnliche. Sie beherrschten eindeutig den Garten, waren am dominantesten, und besetzen jegliche Pflanzen welche Nektarien oder Blattläuse auf sich hatten. Ich habe mindestens 4 Arten vorgefunden, konnte aber wegen Größe und Schnelligkeit nur zwei Arten genauer dokumentieren.
Die erste habe ich nur an einer Stelle vorgefunden, sie war sehr klein (etwa 1-2mm), aber bildete vergleichsweise lange Straßen. Sie besaßen eine sehr eigentümliche Art sich fortzubewegen, ein seltsames Ruckeln und ständiges schlenkern, aber sie blieben stets auf ihrer Straße. Bei der Fütterung erhoben alle Arbeiterinnen ihre Gaster, welche anschließend anfingen, schnell zu vibrieren. Es lockte jedenfalls andere Arbeiterinnen an, ob es nun Pheromone oder gar Stridulationslaute waren.
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Sie ähnelten vom Aussehen und der Größe her den Ghost-Ants, Tapinoma melanocephalum, ich bin mir aber nicht sicher, ob es sich auch um solche gehandelt hat. Sie lebten unter Steinplatten an einen schattigen etwas feuchteren Ort, und hatten viele Nesteingänge, welche durch solche Straßen miteinander verbunden waren.
Die weitere Dolichoderinae, ich vermute es handelte sich ebenfalls um Tapinoma, hatte eine ebenfalls eigentümliche, schlenkernde Art und Weise sich fortzubewegen. Sie waren deutlich größer, etwa 0,4 cm, als die anderen Tapinoma. Sie konnten sehr schnell Zuckerwasser aufnehmen, wobei ihre Gaster stark physogastrisch wurden, und immer durchsichtiger. Hätte man das Zuckerwasser gefärbt, hätte man diese Färbung wohl auch deutlich an der Ameise gesehen. Vom Blitz des Fotos wurden sie quasi durchleuchtet. Sie lebten an einer Steinmauer.
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Die Ameisenarten Thailands: Teil 2

Durch die ausgedehnte, halbjährige Trockenzeit in Thailand gibt es großflächige, sehr trockene und steppenartige Gebiete in Thailand. Die Bäume verlieren ihre Blätter, es regnet fast nie, und der Boden ist Staubtrocken. Alle dort lebenden Ameisenarten mussten sich also an diese Verhältnisse anpassen, und mit großer Trockenheit sowie mit sehr viel plötzlicher Feuchtigkeit in der Monsumzeit klarkommen. Besonders auf den trockenen Rasen in Gärten und der Stadt auf den Tempelanlagen kann man verschiedene Ameisenarten sehr gut beobachten.
Kommen wir zuerst zu einem typischen Garten in der Nähe von Kuri Buri. Er wird regelmäßig gemäht, weshalb er nicht verwildert aussieht, aber wie man erkennt ist bereits sehr vertrocknet, ohne regelmäßige Wasserzufuhr wächst das Gras dort nicht und stirbt in der prallen Sonne sogar.
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Die auffälligsten Bewohner, die sehr häufig in den verschiedensten offenen Habitaten zu finden waren, war eine Diacamma Art, sehr beeindruckend groß und mit einem leichten goldschimmer. Ich habe sie eigentlich überall gefunden, vom Wald bis zur Insel auf dem See. Nur nicht im immergrünen Regenwald, die Art scheint sehr gut an die trockenen Verhältnisse in der Trockenzeit angepasst zu sein. Sie ernährten sich wie für Ponerinen typisch hauptsächlich von selbstgefangenen Insekten, nicht selten sah ich einzelne Arbeiterinnen mit einer Fliege zwischen den Mandibeln umherlaufen. Die Völker schienen recht groß zu werden (oder waren es doch kleine? Ich weiß es nicht), und liefen sehr weite Strecken, was nicht verwunderlich bei solchen weitläufigen Gebiet war. Trotzdem scheinen die Nester sehr unauffällig zu sein, ich konnte nicht ein einziges finden. Vermutlich waren es reine Erdnester mit unauffälligen Eingängen. Zur Dominanz dieser Spezies kann ich nicht viel sagen, mir schien es als würden sie von den kleineren Arten aufgrund ihrer Größe einfach ignoriert zu werden. Kmpfe konnte ich nicht beobachten, und ansonsten erschienen mir sie eher wie ruhige, bedachte Räuber. Ihre Augen waren recht groß, und ein gutes Sehvermögen besaßen sie auf jeden Fall. Bei Störung durch z.B. den Schatten einer Hand blieben die Arbeiterinnen stehen, und sahen sich um.
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Am dominantesten und wohl auch am häufigsten war Oecophylla smaragdina. Hier werden sie teuer verkauft, und in Thailand sie eine Plage. Nahezu jeder noch mit Blättern versehene Baum war mit ihnen Bevölkert. Lange Straßen, die Tag und Nacht belaufen wurden, verbanden mehrere Bäume und Sträucher miteinander. Sie waren wohl die dominantesten Ameisen schlechthin, regierten auch über große Teile des Bodens. Nichtsdestotrotz waren die Ameisen wenig aggressiv- man konnte getrost seine Hand auf eine der Straßen legen, diese wurde nur misstrauisch beäugt, und nicht angegriffen oder einfach überlaufen. Auch diese Ameisen hatten ein gutes Sehvermögen, folgten mit vielen Blicken meiner Hand, wenn ich sie über sie her schwenkte. Störte man eine Arbeiterin durch anstupsen, so rannte sie meißt in Sicherheit.
Sie ernährten sich viel durch Trophobiose, schließlich waren sie die Herrscher über zahlreiche Bäume. Auf dem Bild erkennt man einige Läuse, die Arbeiterinnen waren in diesem Fall aggressiv bei Störungen. Drohend werden die Mandibel aufgesperrt, und der Hinterleib nach oben gereckt. Sie besitzen Ameisnesäure, die sie gezielt im Notfall verspritzen können.
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Eine Arbeiterin
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Aber auch Insekten werden in großen Mengen erlegt. Hierbei nutzen sie den Menschen schamlos aus, ihre Jagdmethode ähnelt denen der unzähligen Geckos. Nachts versammeln sich Herrschaaren von Oecophylla unter den Lampen, und alles was diese Lampen anfliegt, wird von den Oecophylla gefangen, gestreckt und in das Nest zurückgebracht. Nicht selten ist auch eine Königin einer schwärmenden Art darunter.
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Die Nester waren sehr zahlreich, und manchmal schwer zu erkennen. So habe ich nach einer längeren Untersuchung eines dichten, aber nur etwa 3 Meter hohen Busches gleich 7 Nester ausmachen können. Bei der Nestverteidigung werden die Oecophylla richtig aggressiv, und sind auch sehr wehrhaft. Ihre Mandibel sind groß genug, um in unserer Haut richtig stecken bleiben. Ich habe einmal versucht ein Nest komplett zu öffnen und nach einer Königin zu suchen, doch es war fast unmöglich. Tortz dass ich Handschuhe die bis zu den Ellebogen reichten anhatte, krabbelden tausende Arbeiterinnen meinen Arm entlang und gelangten an die unannehmsten Stellen. Sie beißen sich richtig fest, man kann die Arbeiterinnen nicht einfach wegwischen mit einer Hand, sondern muss jedes Tier einzeln entfernen. Noch dazu sind die Nester oft voll bis obenhin mit Ameisen vollgestopft, und kaum ist es einmal geöffnet, purzeln sher viele harus, und greifen gleichzeitig noch die Füße und Beine an. Ich als Laie hatte jedenfalls nach diesem Versuch genug. Interessant ist, dass Oecophylla leicht polymorph sind. Öffnet man ein Nest, kommen sehr viele kleine Arbeiterinnen hervor, die man sonst beim laufen auf der Straße nicht entdeckt.

Ein Video der Oecophylla:

Ein Nest
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Blick in ein Nest, mehr als rotes Gewusel kann man nicht erkennen
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Trotzdem teilt sich Oecophylla oft ihre Bäume mit kleineren Ameisenarten, so sah ich nicht selten eine schwarze Tetraponera sp. auf den Straßen von Oecophylla umherlaufen. Sie waren klein, und wurden daher ignoriert. Die einzige Tetraponera Art die sich Oecophylla wiedersetzen konnte und ganze Bäume berherrschte, war Tetraponera rufonigra, aber dazu später mehr.

Eine Tetraponera auf einer Oecophylla Straße.
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Die Straßen von Oecophylla smaragdina waren aber nicht immer von dauerhafter Nutzung. Ich konnte einmal eine über 20 Meter lange Straße entdecken, welche am nächsten Tag komplett verschwunden war.

Soviel zu Oecophylla, nun möchte ich aber zum eigentlichen Thema zurückkehren, die trockene Wiese. Die dort mit Abstand dominanteste Art war eine Meranoplus sp, vielleicht M. bicolor. Sie sind nicht sonderlich groß, aber auffällig langsam. Sie berherrschten den kompletten Rasen, alle anderen Arten gingen ihr aus dem Weg, was wahrscheinlich an dem berüchtigten Wehrsekret lag. Die Meranoplus selbst griffen nie an, oder zeigten sich anderwertig aggressiv. Die Nester waren unaufällig, aber leicht auffindbar. Manchmal hatten sie kleine Erdkrater, manchmal waren es einfach nur Löcher im Boden. Man konnte sie gut zufüttern, sie waren sehr begierig auf Zuckerwasser. Hier drei der besten Bilder, man erkennt wunderbar ihr haariges Aussehen.
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Im Verhalten waren sie immer zurückhaltend und stets auf dem Boden, an Pflanzen konnte ich sie nicht sehen. Die Trockenheit schien wie gemacht für sie zu sein, da wenig Bewuchs auf der Erde war, konnten sie optimal umherlaufen. Hier ein Video:

Neben dem Meranoplus gab es noch eine weitere hochinteressante Ameisenart. Interessant nicht wegen dem Aussehen, sondern wegen der Ernährung. Als ich sie das erste Mal erblickte hielt ich sie für eine Pheidole Spezies, und wollte sie mit Zuckerwasser zufüttern. Doch nahmen, sehr untypisch, das Zuckerwasser nicht an. Ich war verwundert, dann bemerkte ich ihre außergewöhnliche Ernährung, wie wir sie sonst nur von Messor kennen. Sie trugen unzählige Grassamen ein! Ich weiß nicht, ob es Pheidole war, auf jeden Fall eine Myrmicinae. Das es messorähnliche Arten in Thailand gibt, war mir zuvor nicht bekannt gewesen. Trotzdem waren sie nicht so angepasst wie Messor, es gab z.B. keine langen Straßen. Aber trotzdem eine schöne, wenn auch kleine Ameisenart. Leider konnte ich keine guten Bilder machen, auf diesen hier sieht man einen Major/Soldat, und unscharf eine Arbeiterin mit einem Samen zwischen den Mandibeln.
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Dann habe ich durch puren Zufall eine winzig kleine Ameisenart entdeckt, die vielleicht 1-2 mm groß war. Die Gattung ist mir unbekannt, und Fotos waren sehr schwierig. Das hier ist das beste Bild was ich zu bieten habe:
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Sie nisteten in einen etwas feuchteren Bereich, erkannt habe ich sie überhaupt erst an ihrem Bau, ohne ihn wären mir die langsamen und kleinen Arbeiterinnen wohl gar nicht aufgefallen.
Es gab noch weitere Ameisenarten, z.B. eine ruhige Dolichoderinae, die gerade ihren Bau erweiterten. Das sah so aus, dass die Arbeiteirnnen ständig einzelne Sandkörner herausbrachten und vor dem Nest aufschütteten. Es war schon ein großer Berg vorhanden, und glaublich für mich wie es die Ameisen schafften, in dem steinharten Boden zu graben. Fotos waren wegen der schnellen Fortbewegung nicht möglich.

Soviel zu dem Garten, dann möchte ich nochmal zur Natur zurückkehren. Wir waren einmal an einen großen Stausee, und dort auf einer kleinen Insel. Diese war richtig trocken, eigentlich gab es fast nur Dornengestrüpp und ein paar Mimosen. Die häfuigste Art war hier wieder die schon ganz oben beschriebene Diacamma.

Diacamma mit Beute
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Es gab eine weitere häufige, große Art auf der Insel, eine leicht goldenfarbige Polyrhachis. Mir war nicht klar, wo sich ihre Nest befanden. Die Bäume hatten alle keine Blätter, der Boden war staubtrocken und im Unterholz gab es eigentlich auch kaum Nestmöglichkeiten. Wie dem auch sei, sie hatten mehrere Lauszuchten auf Disteln. Ich nehme, die Völker waren sehr groß, da viele Arbeiterinnen aufzufinden waren.
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Ein Video der Polyrhachis:

So, der Bericht ist fast zu Ende, als Schlussbild möchte ich noch das einer sehr großen, golddenglänzenden Polyrhachis zeigen. Sie war in einem Elephantenreservat, alles trockenes Buschland. Mein Vater meinte recht passend: „Genau so habe ich mir eigentlich den Busch in Australien vorgestellt.“
Das Bild kommt zum Schluss, nicht weil es das Beste ist, sondern das schlechteste. Die Polyrhachis wollte einfach nicht stillhalten, und so gibt es nur ein unscharfes Bild von ihr.
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Und hier das Habitat:
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Die Ameisenarten Thailands – Teil 3

Ein großer Teil der gesamten Waldfläche von Thailand ist an Monsun – und Trockenzeit gebundener Wald. Man sieht ihn fast überall, da nur im Süden, im westlichen Gebirge und an ein paar anderen Stellen immergrüner Regenwald vorkommt. Der Wald verliert während der Trockenzeit größtenteils seine Blätter, vieles wirkt ausgedörrt. Der Boden ist staubig, auch mitten im Wald. Anders bei den mitteleuropäischen Wäldern ist es hier nicht mal unter Baumstämmen oder ähnlichen feucht. Kaum Moose, und nur sehr selten Pilze. Die Pilze sind sogar für die Einheimischen etwas besonderes, sie werden bei Führungen in den Wäldern gezeigt. Wir Deutschen können darüber nur lachen, die Pilze bei uns werden deutlich größer.
Für die Ameisen bedeutet der trockene Boden, dass sie dort nicht sonderlich gut nisten können. So fand ich nur sehr selten Erdnester, die meisten Arten waren arboricol und hausten in den Bäumen. Das waren meist Crematogaster, in allen Größen kamen sie dort vor.

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Kleine Crematogaster
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Diese Crematogaster waren sehr groß, ich schätze sie im Nachhinein auf etwa einen Zentimeter. Sie hatten ihre Nester vorwiegend in den größten Bäumen der Umgebung, vor allen in lebenden Bäumen. Auf dem Bild sind sie am Fuße eines großen Baumes. Lange Straße gingen quer durch den Wald, störte man sie, bekam man, wie bei Crematogaster üblich, ihren Hintern ins Gesicht gestreckt. Sie ernährten sich meist von Honigtau, den die etlichen Läuse an den Bäumen abgaben. Besonders waren Lausarten, welche sich an der Rinde befanden. Die wurden meist von einer kleinen Crematogaster Art versorgt, ihre Standorte waren mit einer Decke aus Matsch überdeckt. Man konnte sie fast nicht sehen, sie waren gut getarnt. Wenn man mit einem Messer über den Baumstamm schabte, löste sich an einigen Stellen der Matsch ab, die Wurzelläuse mitsamt Crematogaster, die wild durcheinander wuselten, kamen zum Verschein. Trotz ihrer Größe, es war unangenehm wenn etliche, winzige Crematogater auf die Hand strömten und sich festbissen. Natürlich hatten sie auch die herkömmlichen Blattläuse, die sich an noch grünen Stängeln festsaugten.

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Auch Polyrhachis kamen in den Wäldern vor, wenn auch nicht soo häufig. Ich habe nie ein Gespinstnest gefunden, mittlerweile vermute ich, dass die Polyrhachis dort in der Trockenzeit nicht genügend Blätter zum Bauen finden, und alternativ irgendwo hinziehen. Diese Vermutung wird durch ein Volk gestützt, welches ich gefangen hatte, und zwar in einem hohlen Ast. Es lebt nun beim Frank in der Biosphäre. Wie dem auch sei, mehrmals sah ich Straßen dieser sehr großen Polyrhachis Art in den Wäldern. Sie hatten ihre Nester wohl auf den höchsten Bäumen der Umgebung, unmöglich dort hinzu kommen.

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Sehr häufig vertreten waren kleinere Ameisenarten, ich weiß nicht genau was es war. Möglicherweise waren hin und wieder kleine Polyrhachis unter ihnen, aber wohl hauptsächlich irgendwelche Dolichoderus. Sie waren sehr volkreich, ihre Straßen waren wohl am ausgeprägtesten von allen dort lebenden Ameisen. Das Nest selbst konnte ich auch hier nie ausfindig machen, es waren oft einfach zu viele Straßen. Ich vermute, dass sie irgendwo in den Bäumen lebten oder in alten, morschen Holz am Boden. Der breite Strom der Ameisen war oft von mehreren Wächtern flankiert, die drohend ihre Gaster in die Höhe streckten.

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Bei einer anderen Art konnte ich sogar einmal ein Nest ausmachen. Es war recht interessant, Material oder ähnliches wurde nicht verbaut. Eigentlich bestand das Nest nur aus Ameisenkörpern, die sich zwischen Palmwedeln geklemmt haben. Dort war auch ihre Brut, und, hätte ich es auseinandergenommen, sicherlich auch die Königin.

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Häufig anzutreffen waren, wie auch schon in anderen Berichten deutlich erwähnt, irgendwelche Diacamma. Hier schleppt eine Arbeiterin ein Blatt umher, warum weiß ich nicht.
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Häufig finden konnte man Leptogenys finden, welche vorwiegend in alten, morschen Holz lebten. Eine hoch interessante Gattung, mehr dazu findet ihr hier: Klick
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Hier mal was anderes, keine Ahnung was das hier für eine Gattung war:
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Die Wälder waren meißt dicht, nur an manchen Stellen haben wilde Elfanten Schneisen getrampelt. An einer Stelle, es war eine Art Quelle mit viel Schlamm, befand sich eine größere Lichtung. Und nur hier gab es die sonst sehr häufigen Oecophylla. Gute Jäger, möchte man fast sagen. Hier haben sie einen Rüsselkäfer erlegt, er wird in Oecophyllamanier gestreckt.
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Es ließen sich, wie oben schon erwähnt, fast nie Nester von Polyrhachis ausmachen. Nur sehr selten, und mit viel Glück, konnte man soetwas hier an Blattunterseiten finden. Es handelte sich um Gründungsnester von irgendwelchen kleineren Polyrhachis. Das Nest wird wahrscheinlich nicht gewebt, sondern von der Königin stück für Stück von Bodenresten „zusammengeklebt“. Denn Larven bekommen sie schließlich erst später. Auch Oecophylla Königinnen verstecken sich erst an Blättern, und bauen nicht sofort ihre typischen Webnester. Genaues kann ich zu den Königinnen nicht sagen, ich fand nichtmal Arbeiterinnen der selben Art.

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Es geht noch trockener, und zwar an Teilen der Ostküste. Richtig wüstenähnlich, staubig war es dort. Hier wurde es nichteinmal in der Monsunzeit wirklich feucht, zumindest sah es so aus. Der Weg war gesäumt von ausgedörrten Bäumen und Büschen, und überall Kakteen. Trotzdem an einigen Stellen erstaunlich grün, das waren die Mangroven. Hier fand man, oh Wunder, wie überall Diacamma. Ihre goldglänzende Färbung kam im gelben Staub und Laub gut zur Geltung. Insgesamt gab es deutlich weniger Arten, Diacamma, Crematoaster, eine mir unbekannte Myrmicine und Pheidologeton. Mehr fand ich dort nicht.
Hier einen Wanderpfad, den wir entlangegangen sind. Schon die Kakteen machen deutlich, hier war es sehr heiß und unangenehm zum Laufen. Am Ende wartete dann eine Überraschung auf mich, Pheidologeton.

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Hier nun ein Video:

Hier die kleinen Myrmicinen, sie hatten lange Straßen und waren sehr flink unterwegs. Vom Habitus her erinnerten sie mich ein wenig an Tetramorium…
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Die Ameisen Thailands – Teil 4

Der folgende Bericht wird persöhnlicher geschildert als die anderen, da es nur ein sehr spannender Tag war, über den es doch viel zu erzählen gibt.
Wie schon öfters in den vorherigen Berichten erwähnt findet sich in Zentral-und Westthailand kaum Regenwald. In dem 3. Teil des Berichtes habe ich über die trockenen Wälder erzählt, und über deren erstaunliche Artenvielfalt. Doch, wie sieht es mit dem tatsächlichen immergrünen Regenwald aus? Tatsächlich kamen wir an eine Infostation, in welchen man für ein Teil des Kaeng-Krachan Nationalparks Bilder betrachten konnte. Elefanten, Affen, Nebel – es wurde in der Tat von einem immergrünen Regenwald berichtet, über den jeden Morgen eine Nebeldecke lag. Und das nur wenige Kilometer weiter. Klang für mich eher unlogisch, denn hier an der Infostation war alles trocken und ausgedörrt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dort in dieser geringen Entfernung ein solch fabelhafter Wald existiert. Trotzdem, einen Versuch war es wert. Man durfte nur mit einem Führer hinein, der frühmorgens die Besucher dorthin zu einer Beobachtungsplattform brachte. Wir organisierten uns einen solchen Führer bzw Fahrer, und standen am nächsten Morgen nachts noch vor 5 Uhr in der Frühe auf. Gespannt warteten wir im dunkeln am Parkplatz. Ich untersuche derweil schon mit einer Lampe die ansässigen Ameisen, und fand an einem Baum einen Umzug einer kleinen schwarzen Dolichoderine. Leider kam recht schnell der Fahrer, für Bilder und ausreichende Beobachtungen hatte ich keine Zeit. Der Fahrer war zu meinen Erstaunen mit einer Wollmütze ausgestattet, und war auch sonst sehr dick angezogen. Wir mussten beinahe lachen, verstanden den Grund nicht. Die Klimaanlage im Wagen war auf kalt gestellt. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht damit sich die kälteressistenten Touris wohlfühlen?
So bagann die Fahrt im dunkeln, vor fast jeder Kurve wurde gehubt. Das soll zum einem Glück bringen, zum anderen waren die Straßen recht eng, würde ein anderes Fahrzeug sich aus entgegensetzer Richtung nähern käme es wohl zu einem Unfall- die Hupe war also auch als Warnung zu verstehen. Der Wald blieb trocken, die Fahrt dauert lange. Man sah auch recht wenig, nur den Teil, den die Scheinwerfer des Wagens mit einem skurielen roten Ton ausfüllte. Bald überquerten wir in fast regelmäßigen Abständen Elephantendung, der sich auf der Straße befand. Anscheinend bevorzugen die dortigen Elephanten die vom Menschen gemachten Straßen, es läuft sich leichter. Gesehen haben wir keinen, scheu sind sie trotzdem.
Es war immer noch dunkel, als wir ankamen. Der Wald hatte sich verändert, das merkte man aber nur gering. Legendärer immergrüner Regenwald? Manchmal sah man Andeutungen von Nebel, es ging einen großteil der Fahrt bergauf. Oben waren schon andere, einige thailändische Touristen. Außerdem ein kleiner Laden, in dem man Kaffee trinken konnte. Wir waren auf der Spitze eines Hügels, nebenan ging es bergab. Es war grün, eine ganz andere Vegetation. Aber trotzdem, staubtrocken. Nur die Luftfeuchtigkeit war hoch, blickte man ins noch dunkle Tal wurde wabbernder Nebel sichtbar. Von benachbarten Hügeln streckten sich einige riesige Bäume empor. Ein Bild von der „Plattform“ aus:
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Mit der Zeit stieg die Sonne höher, man konnte nun mehr und mehr erkennen. Ich untersuchte schon fleißig die Gegend, fand erste Ameisen. Und vor allem auch Termiten, deren Gänge sich an den großen Bäumen emporschlängelten. Es war eine wundervolle Aussicht, ja, richtiger Dschungel, immergrün. Vogel- und Insektenstimmen ertönten wie selbstverständlich, hier mal die Krone eines Baumes:
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An den Seiten fand sich schwer durchdringliches Gebüsch, auf denen ich auch einige Ameisen ausmachte. Später werden noch Bilder nachgeliefert. Natürlich waren die Ameisen jetzt erstmal Nebensache, die Sonne ging schnell auf, und man hatte eine großartige Aussicht. Hier ein Bild von mir, im Hintergrund die Nebelschwaden:
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Doch nun mal zu den Ameisen. Während unseres Frühstücks, das eigentlich nur aus schlechten Kaffee und trockenen Keksen bestand, liefen diese flinken Gesellen umher. Sie waren schnell unterwegs, und klauten gerne die Krümel, die wir fallen ließen. Sie waren eigentlich nichts besonderes, ich hatte sie auch schon in anderen Teilen des Landes gesehen.
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Ein Thailänder bat mich dann plötzlich, mich neben seine Frau zu positionieren. Anscheinend sind dort kaum Ausländer unterwegs, weshalb ich etwas „besonderes“ war, später wurde ich auch besonders gerne von den Mädchen ;) dort geknipst. War das Fotoshooting zu Ende, hatte ich auch schon alles gesehen was zu sehen war, und ich begab mich an den Rand des Dschungels, an dem man bekanntlich das meißte ameisige findet (kann ich an dieser Stelle auch betonen, ist wirklich so!).
Tatsächlich wurde ich sehr schnell fündig, auf einem Blatt krabbelten ein paar wenige Exemplare dieser Myrmicine hier, ich vermute es handelte sich um Myrmicaria.
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Und am selben Baum noch, eine wunderhübsche Camponotus Art. Sie hatten eine gold-glänzende Gaster, der Rest war in einem schönen schwarz. Wundervolle Ameisen, sie hatten dort ihr Nest, teilweise in der Erde, teilweise im Stamm, und ein paar schwachbelaufene Straßen. Pustete man sie an, blieben sie oft verärgert stehen und zeigten drohend ihre geöffneten Mandibel.
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Ganz dort in der Nähe lief eine große Ponerine, ich vermute es handelte sich um Diacamma, über einen kleinen Zweig. Berührte man den Ast oder verärgerte anderwertig die Ameise, ließ sie sich manchmal fallen.
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Ich wollte ihr Nest finden. In einem kleinen, verschließbaren Glasfläschchen hatte ich immer Zuckerwasser dabei, um die Ameisen zu füttern und anschließend ihren Rückweg ins Nest zu beobachten. Tatsächlich nuckelte eine der vermeintlichen Ponerinen an den Zuckerwasser auf einem Ast.
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Doch, schaut Euch mal diese Ameise an. Sie bewegte sich normal, doch irgendetwas stimmte nicht. Tatsächlich, ich wurde Opfer einer nahezu perfekten Ameisenmimikry, die Ameise war keine Ameise, sondern eine Spinne! Der Blick von vorne verrät es:
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Auf einem anderen Busch entdeckte ich zum erstne Mal in diesem Urlaub langersehnte Polyrhachis. Auch ihr Neste suchte ich über mehrere Stunden hinweg vergeblich. Sie waren glänzend blau, etwa einen Zentimeter groß. Ich fand auch später noch in trockenen Regionen Polyrhachis, aber das war eben das erste Mal, dass ich sie überhaupt sah. Die Artenfülle von Polyrhachis war eindeutig in diesem Regenwald am Größten.
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Durch pures Glück sah ich auf einem sehr dicken Bambusstamm eines der bewundernswerten Dinge der Ameisenwelt. Gleichmäßig, in fester Formation bewegte sich dort ein Trupp einer Ponerinenart, ich vermute es handelte sich um Leptogenys, fort. Ich war sehr fasziniert, ein richtiger Jagdverband, keine Straße, nein eine feste Formation, die mit gleichbleibender Geschwindigkeit den Stamm emporkrackelte (davon exitiert auch ein kleines Video, wird nachgeliefert).
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Dann wurde es Zeit, die Expedition zu beginnen. Geplant war eine Wandertour zu einem Wasserfall mitten im Wald. Der Fahrer sammelte alle ein, die auf die Reise mitwollten, auf unseren Wagen auch das Ehepaar das mich fotographiert hatte. Der Mann konnte sehr gut Englisch, er hatte anscheinend auf einer Universität studiert, und wir unterhielten uns. Wir (er, seine Frau und ich) befanden uns während der Fahrt hinten auf der Ladefläche des Autos, die anderen (Fahrer, mein Vater, sein Freund und unsere Führerin) saßen im Auto. Der Weg war eng, und nebenan ging es sehr tief herunter, wir fuhren den Berg also hinab. Es staubte sehr, aber das Ganze wurde mit einer großartigen Aussicht belohnt:
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Man erkennt auf dem Bild, das wir der Nebelgrenzfläche immer näher kamen. Und die Fahrt in sie war sehr atemberaubend, das Sonnenlicht wurde abgedunkelt, und man hatte nur noch ein begrenztes Sichtfeld. Oben rankten die Bäume, und etliche große Schmetterlinge flogen umher. Ich kam mir vor wie, na ja, in einem geheimnissenvollen Nebelwald.
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Bald kamen wir an einem Parkplatz an, wo wir hielten. Einige andere Autos waren auchgefahren. Kein Weg war erkennbar, ich wunderte mich wo es langing. Natürlich hielt ich sofort ausschau nach Ameisen, aber einige Schmetterline die an einer Stelle ständig landeten, zogen mich, sowie die ganzen anderen, auch in ihren Bann. Der Führer ging vorraus, ein etwas älterer Mann, mit einem Buschmesser und einem großen Funkgerät an der Brust. Er mahnte uns, auf dem Weg zu bleiben. Tatsächlich ging er zu einem kleinen Pfad, der so unscheinbar war, dass ich ihn nicht bemerkt hatte. Dort startete der Dschungeltripp.
Zu beginn hatte ich noch diese wunderhübsche Camponotus ausfindig gemacht, sie war die einzige Camponotus die ich dort anfand. Sie war recht klein, aber die Färbung, einfach Klasse.
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Und so sah der Beginn des Pfades aus, noch vom Nebel durchdrungen.
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Wirklich sehr faszinierend, man kam sich, trotz dass wir etwa zu 15. waren, einsam vor, beeindruckt von der Fülle und Schönheit der Natur, die dort wohl keine Grenzen kannte. Zusätzlich für die Athmosphäre sorgte die Sonne. Der Nebel lichtete sich langsam, und bald schien die Sonne seitlich auf dem Pfad. Links ging es steil bergauf, und rechts steil bergab, und wo man auch hinsah, nichts als Wald. Dieser sonnenbeschiene Hang war der artenreichste Abschnitt der gesamten Tour, was mir vollends aber erst auf dem Rückweg bewusst wurde, mehr dazu später. Der Weg war trocken, eigentlich war alles Trocken, bis auf die Luft. Hatte mir zuerst einen matschigen Weg vorgestellt, war nun ganz das Gegenteil der Fall. Wurzeln der großen Bäume festigten den Weg, für mich als freudiger Alpenwanderer kein Problem. Die Thailänder taten sich etwas schwerer, sie kennen keine Wanderungen, und die Mädchen (eindeutig in der Überzahl) waren in unbequemen Schlappen unterwegs.
Mein Blick war auf die kleinen Sträucher gerichtet, und tatsächlich entdeckte ich dort ein paar der hübschesten Ameisen Thailands überhaupt. Es handelte sich um Dolichoderinen, nahm ich zuerst an. Sie waren völlig ruhig, bewegten sich nicht. Sie saßen einfach nur dort, wie man auf dem Bild sieht.
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Sie hatten eine tolle Färbung und einen erstaunlichen Glanz! Hier nochmal, näher:
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Der Weg ging so eine ganze Weile bergab, und man war erstaunlich frei. Zeitweilig waren wir Touris den Thailändern weit vorraus, machte nichts- es gab sowieso nur einen Weg. Hier sieht man meinen Vater unerschrocken auf dem schlecht erkennbaren Pfad vorranlaufen;
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Manchmal lag ein umgestürzter Ast auf dem Weg, den es zu überqueren galt. Und genau dort fand ich die wohl schönste Ameise überhaupt sitzen. So riesig, das ich sie im ersten Moment für eine Königin hielt, stattliche zwei Zentimeter, mit masiven Körperbau und drohenden Stacheln: Polyrhachis bihamata!
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Ich fand sie insgesamt zwei weitere Male. Sie hatten lange ausgedehnte, aber schwach belaufene Straßen, die nur auf die höchsten Bäume der Umgebung hinaufführten. Ich nehme an, sie hatten dort oben ihre Nester. Die interessanten Dornen lassen sich wohl auf Selbstverteidigungszwecke zurückführen, ein jedes Tier dass sie schnappen will, bei dem verharken sich diese Dornen im Maul. Sie waren sehr ruhig, saßen zeitweilig vollkommen still umher. Und wenn sie sich doch bewegten, dann langsam und sehr grazil, wie es sich für solche Riesen gehört.
Bald gelangten wir in den Wald. Der Führer machte immer mal wieder auf einige Pflanzen und Pilze aufmerksam. Ab hier ging es erstaunlich leicht vorran, da die großen Bäume das Sonnenlicht wegnahmen, war der Boden wenig bewachsen. Überall rankten sich an den Urwaldriesen große Lianen empor, ein sehr beeindruckendes Bild. Der Boden selbst war enttäuschend wenig eindrucksvoll. Trockene Erde, nichts Humus oder so. Kein Moos, und nur eine kleine Laubschicht. Ich möchte gar sagen, langeweilig im Vergleich zu unseren Wäldern. Beim durchsuchen des Laubes kamen vor allem Waldschaben und Wanzen zum Vorschein. Immer wieder sah ich auch etwas herumflitzen, jedoch ignorierte ich es anfangs. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Wie ich nach einiger Zeit bemerkte, waren diese „flitzenden Dinger“ Ameisen, und zwar wunderschöne Odontomachus.
Trotzdem, wer Ameisen sehen will, der sollte den Blick nicht star auf den Boden richten, sondern auf die vielen Pflanzen. Crematogasterstraßen, an einigen wenigen Pflanzen auch Blattlauskolonien von kleinen Dolichoderinen, hin und wieder rannten vereinzelt Leptogenys die Stämme empor. In dem morschen, toten Holz am Boden fand man zumeist nur Termiten. Dann machte ich auch diese wunderhübsche Entdeckung hier, ich glaube es war eine Pachycondyla:
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Eine Crematogaster:
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Die Stämme der Großen Bäume waren sehr beeindruckend, überragten alles in ihrer Nähe. Manchmal dienten die Zwischenräume der Wurzel auch für Crematogaster als Nest.
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Und dann, in den Kronen bewegte sich etwas. Ein Geschrei wurde hörbar: Ganz klares Urteil, ein Affe! Leider war er soweit oben, dass ich ihn nicht fotographieren konnte, und er war dann auch recht schnell wieder weg. Die Wanderrung dauerte und dauerte, man hörte noch nichtmal das Plätschern des ersuchten Flusses. Doch, es war lohnenswert. Immer wieder dreht ich Totholz um, öffnete Äste, in der Hoffnung ein paar Ameisen zu finden. In der Tat kamen nicht selten Crematogaster zum vorschein, allerdings immer Zweignester. Eine kleine Art war eigentlich überall zu finden, verdrängte wohl andere Ameisen.
Dann, von einem kleinen Vorsprung aus, konnte man den Wasserfall weit im Hintergrund entdecken;
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Nach einiger Zeit des laufens gelangten wir schließlich an einen großen Bach/kleinen Fluss. Dort ans Ufer schien die Sonne, und dementsprechend groß war die Artenvielfalt. Ich entdeckte eine langebeinige Pheidole in einem toten Baumstamm:
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Dann ging es eine Weile durch den Bach. Die Schuhe wurden nicht ausgezogen, und so wateten wir hindurch, bis am Ende der Wasserfall auf uns wartete. Dort wurde gepicknickt, und ich hatte Zeit nach Ameisen zu suchen. Leider war dort an der Stelle kaum Artenvielfalt, ich konnte fast gar nichts entdecken. Nur dieses interessante Nest hier, sollte ich wohl erwähnen:
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Wie man sieht, ist das ein toter Busch. Um ihn herum war aus Matsch eine Schicht von den Ameisen geformt worden. Ich weiß nicht genau warum, auf jeden Fall waren diese Ameisen sehr klein und wuselig, und taten verdammt weh auf der Haut. Was der hauptsächliche Grund war, warum ich sie dann in Ruhe ließ. Vielleicht hatten sie unter der schützenden Schicht irgendwelche Rindenläuse.
Schließlich machten wir uns auf den Rückweg. Es ist nichts nennenswertes passiert, außer das ich zweimal Polyrhachis Gründungsnester, wie sie schon im vorherigen Bericht erwähnt sind, an Blattunterseiten fand. An einem Baum gab es noch dieses auf den ersten Blick unscheinbare zu bewundern: Ein Raupenverband, alle kreisförmig angeordnet.
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Dann erreichten wir den schmalen Pfad, der jetzt vollends von der Sonne angestrahlt wurde. An einer Pflanze mit Läusen hatten auch hier einige Dolichoderinen, ich vermute Tapinoma, schützende Wälle angebracht, auf dem Bild schon von mir beschädigt:
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Dann wurde mir die wirkliche Bedeutsamkeit der Stelle bewusst. Rechts am Hang waren viele Bambusblätter, und in ihnen: Tausende Nester von Polyrhachis! Es waren unterschiedliche Arten, ich hatte 3 Nester probehalber vorsichtig geöffnet. Man spürte und hörte ein Kratzen der Arbeiterinnen sobald man ein Blatt in die Hand nahm. Eine Abwehrstrategie?
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Hier ihre Bewohner, kleine wunderhübsche Polyrhachis:
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Und dann, kurz vor dem Ende, noch ein toller vom Freund meines Vaters. Eine sehr große, kräftige schwarze Ponerine, vermutlich Odontoponera.
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Das war der Bericht. Ganz am Ende möchte ich aber noch ein Bild zeigen, auch dort Aufgenommen. Das Beste kommt zum Schluss, ein großes Exemplar einer Camponotus cf. singularis:
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