April 2010



Hallo,

hier sind ein paar Bilder meiner Myrmica sp.. Sie ist unbestimmt, für mich als Laie leider nicht machbar. Dieses Volk habe ich in einem Trockenrasengebiet gefangen (kein Naturschutzgebiet).  [Anmerkung: Mittlerweile wurden sie als Myrmica sabuleti bestimmt]
Es ist nur eine Königin dabei, und etwa 50 Arbeiterinnen, außerdem Brut in Form von Larven. Ob Puppen oder Eier dabei sind, weiß ich nicht, ich halte sie sicherheitshalber in einem Erdnest.
Wie man auf manchen Bildern erkennt, hat die Scapusbasis Leisten und ist auch sonst recht „verformt“, es handelt sich daher weder um rubra noch um ruginodis, sondern wahrscheinlich um Mymica specioides oder sabuleti.

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Heute gibt es ein spezielles Update, in welchen es nur um das Zusammenleben der 3 Arten im speziellen geht. Es wurden einige Beobachtungen gemacht, welche ich nun schildern möchte.
Wie in anderen schon erwähnt erwähnt, sind die Temnothorax (nylanderi) mit Abstand am häufigsten vertreten, und auch am meisten unterwegs. Zumindest am meisten so erkennbar – das liegt zum einen daran, dass sie freche Oberflächenläufer sind, sie sind allen Anschein nach vor allem auf dem Laub und nicht unter ihm unterwegs, und scheuen auch keine offenen Glasscheiben. Von allen Ameisen sind sie die Einzigen, die auch außerhalb des Terrariums herumlaufen, was aber bei der kleinen Art nicht stört, und da sie keinen sonderlich großen Aktionsradius besitzen, sind sie nur im direkten Umfeld des Terrarium anzutreffen, sie kommen nichtmal herunter bis auf den Fußboden. Zum Anderen haben sie recht große Völker, jetzt im Vergleich zu den Leptothorax.
Ich mache regelmäßig Fütterungsexperimente, bei dem im vorletzten Update beschriebenen ging es vor allem um ihre Rekrutierfähigkeit, jetzt versuche ich ihr Durchsetzungsvermögen genauer zu analysieren. Sie werden allgemein in der Ameisenhalterszene als undominant und kaum Agressiv beschrieben. Wie ich zuvor schon gezeigt habe, sind sie in der Tat wenig aggressiv (gegenüber Leptothorax), außer bei Arbeiterinnen anderer Völker. Jedoch finden bei weiten keine Raubzüge statt, agressionen kommen nur zwischen zwei oder ein paar mehr Arbeiterinnen vor. Konkurrenz um Nistplätze konnte ich bisher nicht beobachten, auch nicht um Futterplätze zwischen mehreren Temnothorax Völkern. Meine These dafür wäre ihre recht potente Rekrutierung – zwar erscheint der Tandemlauf nicht gerade optimal, mit der Zeit entstehen aber schnell kleine Straßen, je größer das Volk ist, umso mehr Arbeiterinnen versammeln sich um das Futtertier. Ich denke, das ist der entshceidente Faktor warum keine direkten Kämpfe zwischen Temnothorax um den Futterplatz entstehen – sobald eines der Völker das Futtertier entdeckt hat, beginnt die Rekrutierung, und nachdem sich einige Arbeiterinnen dort versammelt haben, hat das andere Volk quasi keine Chance mehr daran zu kommen. Das wäre zumindest meien These, werde das weiterhin genauer Beobachten.
Die gute Rekrutierung, wie hier auf dem Bild erkennbar, ich pinne die Futtertiere absichtlich fest, setzt sich auch schnell gegenüber Leptothorax durch- und nach einiger Zeit selbst gegenüber den Aphaenogaster subterranea, auf welche ich auch noch zu sprechen komme.
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Die Leptothorax können auch rekrutieren, durch Tandemlauf- jedoch sind nie mehr als 4 Tiere zur Stelle, das Leptothorax Volk ist wahrscheinlich zu klein für größere Rekrutierungen- außerdem können sie sich, im Gegensatz zu den T. cf. nylanderi, recht einfach Springschwänze u.ä. fangen. Die Temnothorax erscheinen mir dafür zu ungeschickt, konnte nie beobachten, dass eine Arbeiterin mal derartiges ins Nest schleppte. Die Leptothorax sind mehr aufgeregte Jäger und sehr flink unterwegs- bevor das Beutetier komplett von Aphaenogaster subterranea oder Temnothorax umzingelt ist, naschen sie auch mal gerne.
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Zwei Leptothorax acervorum Arbeiterinnen auf dem Weg zum Futter, zuvor waren sie noch im Tandemlauf unterwegs;
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Die Leptothorax sind auch häufig an der Oberfläche unterwegs, jedoch so gut wie nie an der Scheibe, und auch sonst kaum an erhöhten Punkten wie Pflanzen zu beobachten. In der Hinsicht zurückhaltender als die Temnothorax.

Als die Aphaenogaster noch in direkter Nähe meiner Fütterungsstelle lebten, fanden sie auch recht schnell zu dne Futtertieren hin. Sie leben sehr versteckt, sind seltener an der Oberfläche zu beoabchten, vorwiegend unter dem Laub unterwegs. Wie ihre speziellen Mandibel schon zeigen, können sie sich von dem Fang von kleineren Lebewesen wie Springschwänzen ernähren. Größere Beutetiere werden keineswegs verschmäht, sondern schnell ins Nest geschleppt. Pinne ich das Beutetier fest, versammmeln sie sich recht schnell um das Beutetier – sie besitzen eine effektivere Rekrutierung als die Temno- und Leptothorax, und beanspruchten, sofern sie das Tier fanden, beanspruchten sie es komplett für sich.
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Sie waren aber sehr scheu, zuviel Licht oder etwas Pusten verscheuchte die Arbeiterinnen schnell.
Sie sind auch weniger auf den Kampf aus, griffen aber durchaus Leptothorax und Temnothorax an. Die Tiere sind aber keine geborenen Kämpfer- sie öffnen nur ihre Mandibel und schnellen nach vorne, und zwicken die anderen Ameisen- ohne Schaden anzurichten, aber es reicht zum Verjagen der anderen Ameisen.
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Alle drei Arten versammelt an dem Heimchen, links A. subterranea, mitte oben und rechts unten Leptothroax acervorum, alle anderen Temnothorax cf. nylanderi.
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Die Beutetiere werden bei A. subterranea schnell ins Nest getragen, und Larven werden an sie herangelegt, wie man es auch von anderen Aphaenogaster Arten kennt. Kann ich leider keine Bilder davon machen, als sie noch im RG lebten, konnte ich dies aber beobachten.
Auch bei Honigverfütterung verhielten sie sich sehr dominant, und über Nacht wurden die Tropfen komplett mit Erde abgedeckt, das Verhalten kennt man ja bereits bei vielen anderen Ameisenarten.
Hier ein Video der Aphaenogaster, gut erkennbar ihre ruhige Bewegungsweise;

Nachdem sie aus dem RG ausgezogen waren, befanden sie sich in einem Erdnest etwa zentral im Terrarium – dort konnte ich immer die meisten Arbeiterinnen beobachten, und dort gingen auch Straßen und Beutetiere hin. Seit einiger Zeit aber kann ich keine Arbeiterinnen mehr dort entdecken – umgezogen?
Es stellte sich schnell heraus, ja, sie sind umgezogen. Zu meinen Erstaunen jedoch nicht in ein weiteres Erdnest, sondern in einen der Baumstämme. Dort hatte eine anderes Tier, ich vermute eine Käferlarve, zuvor schon ein beachtliches Loch und einen großen Hohlraum drin geschaffen- die Ameisen haben den Eingang zugebaut und regelmäßig sehe ich Arbeiterinnen dort hineingehen.
Zugebauter Eingang:
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Das wars, denke ich. Weitere Berichte und Beobachtungen folgen =)

Über Kommentare freue ich mich immer!
P.S.: Die Camponotus ligniperda gibt es auch noch, sie leben weiterhin im RG. Das Volk besteht mittlerweile aus 4 Arbeiterinnen, furagieren konnte ich sie aber noch nie sehen. Denke sie machen das Nachts.


Hallo,

die Camponotus gibt es immer noch, auch wenn ich schon länger nichts mehr geschrieben habe. Sie ärgern mich etwas, seit meine Oma beim Putzen den Schlauch herausgezogen hat, liegt die Scheibe nicht so gut auf, sie brechen öfters aus. Zum Glück bisher nur auf der Fensterbank, und auch nur nachts. Denn nachtaktiv sind sie weiterhin.
Sie leben so dahin, jedoch ist die Nachfrage nach Heimchen stark abgesunken, nehmen eigentlich gar nichts mehr richtig an, und ihre Larvenanzahl scheint weniger zu werden – trotzdem, Brut ist genügend da, vielleicht sind sie auch nur schon alle gesättigt.
Es gibt nun einige Majore bei ihnen, schätze die Zahl auf über 10. Diese sind nicht alle gleich groß, manche größer, manche kleiner. Ich glaube die maximale Größe die sie erreichen könnten, ist noch nicht erreicht.
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Ratet mal, wie viele das wohl sind? Zum Zählen bin ich zu faul. Verglichen mit dem anderen Bild, doppelt so viele, 200? Wer weiß…
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Hallo,

an diesem sonnigen Tag heute habe ich ein weiteres Nest an einem alten Hollunder, ebenfalls im eigenen Garten, entdeckt. Die hübschen Vierpunktameisen („quadripunctatus“) fangen bei diesem Wetter schon mit ihren erstne Straßen an, außerdem konnte ich beobachten wie das Nest erweitert wird -Sägespäne werden herausgeschmissen.
Der Ganze Baum ist quasi ihr Nest, überall finden sich Eingänge. Er wird oft sehr stark von Blattläusen befallen, optimal für die Nahrungsaufnahme. Sie selbst gehen zwar nicht an Blattläuse, aber der hinabtropfende Honigtau versorgt sie trotzdem sehr gut. Lasius Arbeiterinnen rennen den Stamm rauf und herunter, sie kümmern sich im Sommer um diese Blattläuse. Beim Zusammentreffen passiert in der Regel nichts- beim künstlichen Zufüttern von mir übernahmen natürlich schnell die Lasius die Oberhand.
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Friedliches Trinken mit den Lasius. Die DOlichoderus Arbeiteirnnen weichen ihnen aber aus, wenn es zu viele werden- und dafür sind Lasius schließlich bekannt, in Überzahl zu sein.
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Ein Nesteingang, an der Seite erkennt man einen Honigtropfen von mir, an der auch schwer erkennbar eine Arbeiterin nuckelt. Verlgeicht man die Größe der Nesteingänge mit der Größe von Lasius niger Arbeiterinnen, wird schnell klar, eindringen für sie ist unmöglich- ein Schutz, welchen viele arboribole Arten verwenden, wie die sowieso kleinen Temnothorax oder Camponotus truncatus.
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Hallo,

hier mal mein neues Formikarium für Polyrhachis dives. Das Volk wächst schnell, und braucht viel Auslauf und eine gute Belüftung- dies war, als ich sie ncoh in einer kleinen Dose hielt, natürlich nicht gegeben. Folgen ist, dass sie sehr aktiv werden und auszubrechen veruschen, verstört in der Arena herum laufen, nicht selten mit Abfallresten zwischen den Mandibel. Diese wollen sie eigentlich loswerden, und weit vom Nest wegtragen- da aber der Platz zu klein ist, wird dieser eben oft stundenlang herumgetragen.
Das will ich natürlich vermeiden, und heute war es endlich soweit, habe ihnen ein schönes Terrarium eingerichtet mit guter Belüftung. Wichtig wie in allen Terrarien ist für mich, dass auch anderes neben den Ameisen lebt – vor allem natürlich Pflanzen. Der Grund besteht aus Lehm, welcher sehr hart wird. An Stellen, an denen sich Pflanzen befinden, ist etwas Humuserde aus meiner Miste, denn die Pflanzen gedeihen in dem Lehm nicht. Die Mischung sieht etwas regenwaldmäßig aus wie ich finde, denn dort gibt es auch viel roter Lehm. Hinein kamen Pflanzen, darunter Moos und Gras, außerdem etwas Wegericht- dieser wird hoffentlich gut wachsen, dann sollen dort später die Ameisen einziehen. Außerdem schmückt ein großer Ast in der Mitte das Ganze, die Polyrhachis können hier ihren Kletterdrang sehr gut ausleben, was sie auch tun.
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Das Ganze steht auf der Fensterbank, dort wird es unten von Heizung beheitzt, im Sommer von der Sonne – wie man erkennt sind Lüftungschlitze vorhanden, bis jetzt ist keine Polyrhachis da durch gekommen, auch wenn es schon versucht wurde. Ich hoffe das reicht aus, um Überhitzung zu vermindern, zur Not wird etwas Karton davor geklebt. Wie man erkennt, lebt das Volk noch in einem RG, denke sie werden dort bald ausziehen, da es langsam klein wird.

Agressive Nestverteidigung:
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Sich putzende Arbeiterin in der Sonne:
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Über Kopf in der Nähe des Honigtropfens hängende Arbeiterin:
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Nesteingang:
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Die Schiebescheibe ist mit Paraffinöl abgeischert, damit keine Arbeiterinnen entfleuchen oder eingeklemmt werden beim Öffnen und schließen des Terrariums.


Hallo,

beiden Kolonien geht es sehr gut, besonders die Messor cf. wasmanni haben nun ein stattliches Völkchen. Das erkenne ich teilweise an der Menge des ausgetragenen Sandes und an der Brut. Letztens gab es Heimchen, da konnten sie sich so richtig den Bauch vollschlagen;
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Zahlreiche Nesteingänge existieren in der Anlage, teilweise unter kleinen Steinen;
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Hallo,

als ich am 7.04 wieder bei Frank zu Besuch war, betrachtete ich seinen tollen Garten- der, nebenbei gemerkt, ein optimales Habitat für viele verschiedene seltene Ameisenarten ist – und dreht ein paar kleine Steinchen herum. Tatsächlich sah ich eine Ponera (wohl coarctata) Arbeiterin, drehte den Stein schnell wieder um, um sie nicht zu verscheuchen, holte meinen Foto, aber da war es schon zu spät, sie war verschwunden, nicht wiederauffindbar. Mehrere Stunden später drehte ich den Stein erneut um, in der Hoffnung das durch die Ruhe erneut eine Ponera unter den Stein hervorkam, natürlich diesmal mit dem Foto in der Hand. Es war aber keine Ponera, dafür aber eine andere hübsche, kleine und unauffällige Ameise – ich bin mir recht sicher das es sich um Myrmecina graminicola handelt. Die Art lebt recht versteckt, fast nur unterirdisch. Ich versuchte sie zu knipsen, dummerweise gar nicht so einfach bei dieser Miniameise. Die Bilder sind schlechter als mittelmäßig, erfüllen aber doch hoffentlich ihren Zweck. Für mich das erste Mal, dass ich diese Art zu Gesicht bekomme. Interessant an ihr ist wohl der Königinnenpolymorphismus, aber damit konnte ich mich natürlich nicht auseinandersetzen anhand einer einzelnen Arbeiterin. Weitere Infos zum Königinnenpolymorphismus finden sich hier: Klick
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Trotzdem, eine tolle Beobachtung, nachdem ich die Arbeiterin gestört hatte, rollte sie sich zusammen und stellte sich tot. Kennt man ja sonst eigentlich gar nicht von Ameisen. Die Bewegungen sind sehr langsam und ausgeglichen, als könnte sie nichts aus der Ruhe bringen.

Grüße, Phil

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