Mai 2010



Auch wenn ich nicht viel von der Kolonie mitbekomme, ihr scheint es gut zu gehen. Heimchen mögen sie gerne, und ebenso Zuckerwasser. Interessant an ihnen ist, und darin unterscheiden sie sich sehr von Myrmica rubra, dass sie so gut wie keine Ausbruchsversuche machen. Das Terrarium ist zwar mit Paraffinöl abgesichert, allerdings klettern sie nie die Scheiben hoch – und das Gras hängt auch an der Seite heraus, darauf klettern sie nie herum. Sie sind so dunkel gefärbt wie die Erde, manchmal sind sie nur schwer zu entdecken. Gänge sehe ich überall an der Scheibe, obwohl da kein Lichtschutz drauf ist – dafür nie Brut, oder wenigstens mal die Königin. Sie sind sehr grabfreudig, haben quasi überall ihre Gänge – aber sie haben keine Kraterauswürfe, sind geschickte, unauffällige Buddler.
Gestern und Heute haben sie zum ersten mal den Ytong bezogen, und ein paar Puppen hineingelegt. Hoffe natürlich, dass dort bald mehr zu sehen sein wird, mache mir Sorgen um die Königin.
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Hallo,

gestern habe ich eine kleine Wanderung gemacht, am Donnersberg. Es gab einiges zu sehen, verschiedene Lasius, Myrmica ruginodis, Camponotus ligniperda, Raptiformica sanguinea, Tetramorium, sogar Stenamma debile. Und natürlich viele Formica s.str. Nester, und bei einigen schwärmten die Geschlechtstiere aus. Sie suchten erhöhte Positionen um das Nest herum, und flogen ab. Handelt sich wahrshceinlich um Formica polyctena oder rufa.
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Interessanterweise keine Männchen, nur Weibchen.
Bei dem schönen Wetter gabs nicht nur Insekten, sondern auch jede Menge Zauneidechsen und sogar eine Kröte zu bewundern.
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Hallo,

so manch unscheinbarer Garten beherbergt mehr Arten, als man anfangs vermutet. Und der wohl besonderste Teil des Gartens sind die Bäume- denn die sind zumeist die ungefplegtesten, alte Äste auf der Spitze eines jeden Baumes sind optimale Lebensräume für verschiedene Ameisenarten. Oft ist man sich nicht mal bewusst, dass sie dort leben, lediglich die langen Straßen von Lasius niger oder brunneus die Bäume hinauf fallen manchmal ins Auge.
Noch dazu fällt es nicht gerade leicht, einen Großteil zu entdecken, die Arten sind klein und unauffällig, und perfekt angepasst, an das Leben auf dem Bäumen. Ich meinen Garten leben Dolichoderus quadripunctatus, Camponotus truncatus, Lasius brunneus und Temnothorax affinis. Allesamt hübsche Arten, die recht einzigartig hier sind. Sobald es warm wird, erwachen sie. Die Äste werden in der Sonne sehr warm, die Tiere brauchen möglichst hohe Temperaturen, die schnell erreicht wird, wenn die Sonne auf das Holz bruzelt.
Hier eine Dolichoderus quadripunctatus Arbeiterin:
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Auch bei hohen Temperaturen sind sie glücklicherweise recht langsam unterwegs. Auch interessant, man bekommt sie recht einfach zum „Stillstand“- einfach anpusten! Die Arbeiterinnen drücken sich dann so flach wie möglich an den Stamm, was man auch bei allen anderen arboricolen Arten gut beobachten kann.
Beim Klettern auf den Bäumen sollte man vorsichtig sein, die die Äste, die zuerst abbrechen, beherben die schönsten Tiere. Auf Bäumen finden sich öfters abgestorbene Äste, in denen die Ameisen leben. Sie dürfen nicht zu morsch sein, sonst werden sie beim nächsten Sturm weggeblasen. Leider passiert das recht oft, es lohnt sich, nach einem Sturm mal die Äste unter den Bäumen zu untersuchen, nicht selten findet man darin Ameisen, welche man dann wieder auf den Baum setzen kann. Hier mal so ein „perfekter“ Ast;
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Hier wurde leider eine Camponotus truncatus Königin durch mich gestört.
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Der Blauglockenbaum, auf dem die meisten der Bilder entstanden sind, ist optimal für diese Camponotus – die kleinen Äste sind alle hohl, die Königinnen nutzen diese natürliche Begebenheit perfekt zum Gründen aus. Die Arbeiterinnen sind zahlreich, aber immer sehr schnell unterwegs- man braucht viel Glück, um mal eine in Stillstand zu erwischen. Nichtmal Honig bringt sie manchmal zum Stillstand.
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An einer Stelle ist ein großes Loch, hier hat wohl vor ca 2-3 Jahren eine Königin von Lasius brunneus gegründet. Die Arbeiterinnen sind allesamt sehr klein, vielleicht 3 mm, und blicken vorsichtig aus ihrem Nesteingang heraus.
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Bald werden sie den ganzen Baum dominieren, wie ich es schon von anderen kenne.

Auf einem alten Holunder, der jedes Jahr beschnitten wird, damit er nicht zu dicht zuwächst, lebt neben einer Kolonie Dolichoderus quadripunctatus auch eine Kolonie Camponotus fallax. Eine größere Art, die Arbeiterinnen sind sehr vorsichtig. Sehen sie ungewohnte Bewegungen, flüchten sie in eine Mulde und drücken sich an den Boden- dadurch sind sie oft sehr gut getarnt.
Hier eine große Arbeiterin, ein Major;
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Und hier eine kleinere Arbeiterin, schnell unterwegs.
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Zuletzt noch ein Bild eines Nesteingangs einerTemnothorax affinis, wobei ich peinlich zugeben muss, das Bild stimmt aus einem Terrarium, und nicht vom Baum, der Ast hatte mal zu einem Kirschbaum gehört.
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Ein gutes Bild von ihnen ist mir auf dem Baum bisher noch nicht geglückt.

Und wer sich für die Entstehungsgeschichte der Bilder interessiert- das hier bin ich, mit Kletterausrüstung gesichert, nur so kommt man an die äußeren Äste ran, auf denen man besonders viele Arbeiterinnen findet.
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Hallo,

habe lange nichts mehr berichtet, aber es ist auch nicht sonderlich viel passiert. Die Kolonie wächst weiter, auch wenn ich sie mittlerweile auf Proteindiät ggestellt habe- es gibt nur noch selten mal ein paar Heimchen. Ich habe Angst, dass mir die Kolonie zu schnell zu groß wird, das Potenzial dazu hat sie auf alle Fälle. Trotzdem bin ich im moment sehr zufrieden mit ihnen, sie haben viele beeidruckende Majore, die Größten Haben fast die Größe der Königin.
Ihre Rekrutierung ist sehr beeindruckend, und erinnert mich fast ein bisschen an Leptogenys. Entdeckt eine Arbeiterin ein Heimchen, wird sie erstmal ganz aufgeregt, und rennt teilweise ähnlich wie Cataglyphis umher. Dann rennt sie durch den Schlauch zum Nest, wobei man deutlich erkennen kann, wie sie mit ihren Hinterleib die Fährte „tupft“. Ein paar Sekunden später rennen ungefähr 10 Arbeiterinnen in einer ordenltlichen, geraden Schlange hinaus, und attakieren das Heimchen. Reicht das noch nicht ganz aus, um das Heimchen komplett zu erlegen, wird erneut rekrutiert – im gestrigen Fall rennt dann ein kleiner Major begleitet von weiteren Arbeiterinnen hinaus.
Das Heimchen wird erst handlich zerlegt, sprich die Beine werden abmontiert, der restliche Körper wird dann komplett ins Nest geschleppt. Dieser wird dann die ganze Zeit über von Arbeiterinnen in Gemeinschaften zerkaut (erinnert ein bisschen an Messor).
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Hallo,

erfreulicher Weise sind nun zwei weitere Arbeiterinnen im Abstand von 2 Tagen geschlüpft. Immer wieder verpuppt sich auch eine Larve, ich vermute dass in den nächsten Wochen und Monaten beständig in regelmäßigen Abständen Arbeiterinnen schlüpfen werden. Es klappt super mit der Versorgung, es wird weiterhin alles genommen, was ich anbiete. Die Königin ist immer noch diejenige, die das Futter aufsammelt und vor der Haustüre zerlegt- Heimchenbeine werden zuerst abmontiert, und dann wird der Körper komplett reingezogen. Ich habe das Gefühl, aber wahrscheinlich interpretiere ich das nur so, dass die Königin immer nach meinen Kontrollblick herausrennt um die Gegend auf Futter zu untersuchen, da sie gelernt hat, dass es immer dann Futter gibt- die Arbeiterinnen haben das noch nicht gelernt, weshalb sie sich bei Störungen ängstlich zurückziehen. Aber wie gesagt, kann auch nur eine Fehleinschätzung sein.
Eier gibt es auch jede Menge.
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Die Bilder stammen aus dem Ytongnest, ich bitte die Qualität zu entschuldigen, aber die Plexiglas“scheibe“ reflektiert ziemlich doof das Blitzlicht.


Als ich ein Volk Myrmica rubra fing, fand ich ein weiteres Lebewesen in der Fangbox, das ich nicht beabsichtigt hatte, mitzunehmen. Wie sich herausstellte handelte es sich erneut um Stenamma debile- das Bild ist diesmal sogar von einer lebenden Arbeiterin.

Interessant zu beobachten war, dass sich die Arbeiterin, bei Kontakt mit einer Myrmica rubra Arbeiterin, sofort zusammenzog, und sich scheintod auf den Boden Kauerte. Die Myrmica ignorierte sie dann, und sobald sie verschwunden war, lief die Stenamma wieder weiter. Ein angepasstes Verhalten an die stärkeren Myrmica rubra.


Hier rennt jemand schnell vorbei, wollte sich nicht fotographieren lassen. Ein Laufkäfer, Carabus auratus, zu Deutsch „Goldlaufkäfer“. Ein riesiges Prachtexemplar, schimmernd war er kaum zu übersehen. Er gehört zu den wenigen Laufkäfern, die vor allem tagsüber aktiv sind. (auf die Bilder klicken um sie in voller Pracht zu genießen)

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