Hallo,

nur ein kleines Update für heute. Es gibt zwei neue Bewohner, und zwar richtige Völker.
Die Einen sind Formica (Serviformica) fusca, welche ich nach langer Suche an einem Waldrand fand. Die Tiere wurden aus einem Ast geklopft, auf Königin überprüft und mit nach Hause genommen. Es sollten etwa 100 Arbeiterinnen sein, mit einer Königin. In der Box ließ ich ihnen etwas Material zum nisten, Erde und Totholz, wollte erst, dass sie sich beruhigten, und dann in das Terrarium stecken. Ich hatte Angst, dass sie möglicherweise ihre Überlegneheit ausnutzen würden und den Aphaenogaster subterranea auf die Pelle rücken, da diese bekanntlichermaßen in dem perfekten Holznest hausten.
Am Abend legte ich die Box mit offenen Deckel in das Waldformikarium. Tatsächlich waren sie am nächsten morgen, anders als erwartet, alle ausgezogen, in das Waldterrarium. Allerdings bis auf ein paar Arbeiterinnen, die auf meinen Fußboden umherkrabbelten, ließen sie kaum etwas von sich sehen. Mit Zuckerwasser konnte ich wenige Arbeiterinnen anlocken. Waren sie wirklich so inaktiv? Am gestrigen Abend entdeckte ich ihren Nistort, unter einem alten Holzstück wurde etwas Erde aufgetürmt, hier wurde gegraben. Die Aktivität blieb niedrig, bis ich das Terrarium wieder einmal mit der Deckellampe aufheitze. Das mache ich immer mal wieder, um die natürlichen Temperaturverläufe zu simulieren. Es wirkte Wunder, die Aktivität ist sehr hoch wenn es schön warm ist. Sie sind sogar dabei, zu meinen Freuden sogar gut beobachtbar, das Nest zu erweitern, zu graben, und im Holz rumzuknabbern – auch wenn mir das etwas Sorgen wegen den anderen Bewohnern macht. Das Terrarium ist fast zu klein, das Artlimit ist eindeutig erreicht, und ich hoffe ich werde keine Probleme bekommen. Die Aphaenogaster wegen einer Formica fusca zu verlieren wäre sehr schlimm, ich bin bereit notfalls einzugreifen. Denn bis jetzt verhalten sie sich sehr dominant, und verschuchen alle anderen Arten von der Zuckertränke, selbst Temnothorax. Mittlerweile ist ihr Nest fertiggestellt, und ihre Erkundswut und Aktivität ist auf ein annehmbares Niveau gesunken.
Der Vorteil bei der großen Kolonie ist, dass man auf einen Blick sieht, wo ihr Nest ist, und zwar ziemlich zentral. Über nacht ist da ein ziemlich großer Haufen entstanden.

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Das Nest
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Arbeiterin am Honig
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An einer Fliege

Die zweiten Bewohner sind etwas Besonderes, sie findet man fast gar nicht in der Ameisenhaltung. Es handelt sich um Camponotus truncatus, die berühmten Stöpselkopfameisen. Mindest ein Volk habe ich in einen oder mehreren Ästen hier im Formikarium, allerdings weiß ich nicht, ob eine gesunde Königin vorhanden ist. Sie rennen überall herum, vorwiegen auf dem Terrarium, sind wahre Kletterer. Trotzdem das sie recht klein sind, sehr hübsch mitanzusehen. Manchmal sieht man auch eine größere Stöpselkopfmorphe. Sie machen am meisten Spaß derzeit, ein seltener, fast exotisch anmutender Anblick.
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Camponotus truncatus Major

Zur besseren Versorgung wurde eine Tränke eingerichtet, damit dort nicht ertrinkt, habe ich Watte hineingetan. Eine der ersten Ameisen die sich freudig bediente, was diese Leptothorax. Die Aphaenogaster fanden es übrigens wieder mal lustig, Dreck hineinzuschmeißen.
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Auch mehrere Formica fusca haben dran genuckelt:
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