Hallo,

so manch unscheinbarer Garten beherbergt mehr Arten, als man anfangs vermutet. Und der wohl besonderste Teil des Gartens sind die Bäume- denn die sind zumeist die ungefplegtesten, alte Äste auf der Spitze eines jeden Baumes sind optimale Lebensräume für verschiedene Ameisenarten. Oft ist man sich nicht mal bewusst, dass sie dort leben, lediglich die langen Straßen von Lasius niger oder brunneus die Bäume hinauf fallen manchmal ins Auge.
Noch dazu fällt es nicht gerade leicht, einen Großteil zu entdecken, die Arten sind klein und unauffällig, und perfekt angepasst, an das Leben auf dem Bäumen. Ich meinen Garten leben Dolichoderus quadripunctatus, Camponotus truncatus, Lasius brunneus und Temnothorax affinis. Allesamt hübsche Arten, die recht einzigartig hier sind. Sobald es warm wird, erwachen sie. Die Äste werden in der Sonne sehr warm, die Tiere brauchen möglichst hohe Temperaturen, die schnell erreicht wird, wenn die Sonne auf das Holz bruzelt.
Hier eine Dolichoderus quadripunctatus Arbeiterin:
Bild
Bild
Auch bei hohen Temperaturen sind sie glücklicherweise recht langsam unterwegs. Auch interessant, man bekommt sie recht einfach zum „Stillstand“- einfach anpusten! Die Arbeiterinnen drücken sich dann so flach wie möglich an den Stamm, was man auch bei allen anderen arboricolen Arten gut beobachten kann.
Beim Klettern auf den Bäumen sollte man vorsichtig sein, die die Äste, die zuerst abbrechen, beherben die schönsten Tiere. Auf Bäumen finden sich öfters abgestorbene Äste, in denen die Ameisen leben. Sie dürfen nicht zu morsch sein, sonst werden sie beim nächsten Sturm weggeblasen. Leider passiert das recht oft, es lohnt sich, nach einem Sturm mal die Äste unter den Bäumen zu untersuchen, nicht selten findet man darin Ameisen, welche man dann wieder auf den Baum setzen kann. Hier mal so ein „perfekter“ Ast;
Bild
Hier wurde leider eine Camponotus truncatus Königin durch mich gestört.
Bild
Der Blauglockenbaum, auf dem die meisten der Bilder entstanden sind, ist optimal für diese Camponotus – die kleinen Äste sind alle hohl, die Königinnen nutzen diese natürliche Begebenheit perfekt zum Gründen aus. Die Arbeiterinnen sind zahlreich, aber immer sehr schnell unterwegs- man braucht viel Glück, um mal eine in Stillstand zu erwischen. Nichtmal Honig bringt sie manchmal zum Stillstand.
Bild

An einer Stelle ist ein großes Loch, hier hat wohl vor ca 2-3 Jahren eine Königin von Lasius brunneus gegründet. Die Arbeiterinnen sind allesamt sehr klein, vielleicht 3 mm, und blicken vorsichtig aus ihrem Nesteingang heraus.
BildBild
Bald werden sie den ganzen Baum dominieren, wie ich es schon von anderen kenne.

Auf einem alten Holunder, der jedes Jahr beschnitten wird, damit er nicht zu dicht zuwächst, lebt neben einer Kolonie Dolichoderus quadripunctatus auch eine Kolonie Camponotus fallax. Eine größere Art, die Arbeiterinnen sind sehr vorsichtig. Sehen sie ungewohnte Bewegungen, flüchten sie in eine Mulde und drücken sich an den Boden- dadurch sind sie oft sehr gut getarnt.
Hier eine große Arbeiterin, ein Major;
Bild
Und hier eine kleinere Arbeiterin, schnell unterwegs.
Bild
Zuletzt noch ein Bild eines Nesteingangs einerTemnothorax affinis, wobei ich peinlich zugeben muss, das Bild stimmt aus einem Terrarium, und nicht vom Baum, der Ast hatte mal zu einem Kirschbaum gehört.
Bild
Ein gutes Bild von ihnen ist mir auf dem Baum bisher noch nicht geglückt.

Und wer sich für die Entstehungsgeschichte der Bilder interessiert- das hier bin ich, mit Kletterausrüstung gesichert, nur so kommt man an die äußeren Äste ran, auf denen man besonders viele Arbeiterinnen findet.
BildBild

Advertisements