Juni 2010



Na, mit der Größe des Volkes hab ich mich zum Zeitpunkt des Ytongnestbaus natürlich stark verschätzt- das ganze Volk findet dort keinen Platz.
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Sie wandern regelmäßig umher, mal ist alles voll, mal komplett leer. So ganz können sie sich nicht entscheiden, aber das war anfangs, als sie zwischen RG und Ytong die Wahl hatten, auch so. Dafür hat es seinen ursprünglichen Sinn erfüllt, denn ich wollte ja wissen, ob die Königin wohlauf ist. Und ja, das ist sie.
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Hallo,

gestern war ein perfekter Tag zum Ameisensuchen, so richtig schwül. Also machte ich mich auf den Weg, um ein paar meiner Lieblingsstellen ab zu suchen.
Tatsächlich, die Serviformica sind bei mir geschwärmt! Ich habe 5 Königinnen mitgenommen, jedoch konnte ich nur eine sicher Bestimmen.

Diese hier ist Formica cunicularia:

Bei den anderen bin ich mir ganz und gar nicht sicher.  Es könnte sowohl rufibarbis als auch clara dabei sein.

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Ich habe ein Volk von Polyergus rufescens bei mir in einem Trockenrasengebiet. Dort hatte ich früher durch Zufall ein Polyergus rufescens Volk entdeckt, damals bei einem Schwarmflug (näheres hier).
Ich hatte bisher nur Raubzüge in Österreic beobachtet, hier bisher noch nicht, weshalb ich nicht wusste, wie groß das Volk war. Man sieht schließlich in der Regel nur die Sklaven unauffällig außen am Nest. Es machte aber einen recht großen Eindruck, es liegt sogar zentral auf einen kleinen Hügel, und hat einige Eingänge. Es sind immer sehr viele Arbeiterinnen am furagieren, weshalb bislang anzunehmen war, dass die Polyergus schon recht volkreich sein sollten. Die Erinnerung an die Polyergus Raubzüge in Österreich ist einfach toll, ich wollte nun unbedingt dieses Ereignis erneut erleben, aber diesmal bei mir. Also habe ich mich bereits am Sonntag um halb 4 aufgemacht, um nach den Polyergus zu sehen. 2 Stunden lang saß ich dann in der Hitze, ohne Schatten, und wartete. Erst am Ende als die Sonne schon tiefer war, zeigten sich einige Polyergus Arbeiterinnen an den Nesteingängen, und es wurden immer mehr- leider musste ich dann schon gehen, aus persöhnlichen Gründen. Zum Zeitpunkt meines Abgangs waren etwas 50 Arbeiterinnen versammelt, die ständig rein und raus rannten.
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Am Montag dann probierte ich es erneut, diesmal zu einem späteren Zeitpunkt, um 18:00 Uhr. Tatsächlich sammelten sich erneut viele Arbeiterinnen, und innerhalb der nächsten Dreiviertelstunde wurden es immer mehr.
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Man erkennt gut die säbelartigen Mandibel.

Ich staunte nicht schlecht, wie viele Polyergus dort herumwuselten. Dann ging plötzlich eine Aufregungswelle durch die Arbeiterinnen (nun gut, eigentlich standen sie schon zuvor nie still herum), und es strömten mit einem Mal nochmals deutlich mehr Arbeiterinnnen heraus. Mir war klar, endlich hatte ein Späher Meldung gemacht. Tatsächlich setzte sich dann die Armee in Bewegung, nach einem Meter allerdings wuselten sie kreuz und quer, sie hatten die Fährte verloren. Nach einiger Zeit kehrten sie zum Nest zurück, die ehemalige Spur war nicht wiederauffindbar für sie, der Raubzug wurde abgebrochen. Was ich allerdings nicht bemerkt hatte: Es gab einen weiteren, fast zur gleichen Zeit, und der setzte sich dann ohne Probleme schnurstracks in Bewegung. Ich glaube, vergleichbares findet man nur bei Treiberameisen. Das Volk war so groß, dass die Länge der Polyergus Straße etwa 3 Meter lang war. In ca 10 Metern Entfernung trafen sie dann in hohen Gras auf das gewünschte Nest, die Serviformica, in diesem Fall cinerea, hatten keine Chance. Ein paar Arbeiterinnen sah man mit Brut auf die Grashalme klettern, um wenigstens noch etwas zu retten. Zu Kämpfen kam es kaum, die Polyergus rannten schließlich auch mit mehreren Arbeiterinnen pro Sekunde in den kleinen Nesteingang hinein, und stürmten wieder hinaus, mit Brut zwischen den Mandibel.
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So kam dann der Ganze Trupp wieder zurück, und brachte das Erbeutete ins Nest. Der Raubzug war etwa um halb 8 abgeschlossen, wirklich sehr beeindruckend.
Ich habe ein Video gedreht, von dem gesamten Raubzug in chronologischer Reinfolge; Anfangs wie die Arbeiterinnen vor dem Nest immer mehr werden, dann der Beginn des Zuges, das Eindringen in den Serviformica Bau (unter einem Stein) und anschließend das Wegtragen der Brut zurück in den Bau.

Man möge mir das Aufpeppen mit der Musik verzeihen ;)


Ich habe mir die Mühe gemacht, und 2 Videos aufgenommen, eines von einer Leptothorax acervorum Kolonie, und eines von einer Temnothorax cf. nylanderi Kolonie.
Die Videos sollen zum Vergleich der beiden unterschiedlichen Gattungen dienen – denn nicht nur durch Fühlergeisselzählung kann man die beiden Gattungen unterscheiden. Man achte auf die Größe (die Videos sind beide in 20 und 40 Fach aufgenommen), Bewegungsart, Färbung, Brut und vor allem auf die Königinnen. Ich werde mich vorraussichtlich am Sonntag noch genauer dazu äußern.


ich habe vor einiger Zeit eine Myrmica rubra Kolonie gefangen,  und wollte der Kolonie ein hübsches Terrarium machen- leider hatte ich keine Terrarien mehr. Also musste etwas anderes her- ich hatte noch einen recht großen Blumentopfuntersetzer. Geplant war ein „offenes“ Terrarium, das hatte ich bisher noch nie bei M. rubra ausprobiert, wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit. Nun hatte ich mich doch entscheiden, füllte es mit Erde und Pflanzen auf, und als Ausbruchschutz sollte ein Paraffinölrand dienen.
Als das fertig war, setzte ich die Ameisen – welche mir prompt unaufhaltsam über das Paraffinöl rannten, da der Rand nicht glatt war wie bei einer Scheibe! Das hatte ich nicht vorhergesehen, und war davon ausgegangen, dass das Öl an sich abschreckend genug war, und es nichtmal zuvor getestet.
Also musste schnell eine andere Lösung her – ich nahm schnell die alte Fangbox, und stellte den Untersetzer darauf – und unter die Fangbox kam ein Wassergraben, bestehen ebenfalls aus einem Untersetzer, nur etwas kleiner als der Obere. Das Ganze läuft nun eine Weile, und ich finde die eigentliche Notkonstruktion sehr hübsch- durch die Höhe und das Fehlen von Glasscheiben hat man ein tolles, naturnahes Beobachtungsgefühl.
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Durch die hohe Pflanze in der Mitte wird noch interessanter- das Myrmica Volk ist relativ groß, weshalb es viel Gewusel bei der Fütterung gibt. Ich habe spaßhalber mal ein Futtertier auf eines der Blätter gespießt – die Rekrutierung nach dem Fund verlief sehr schnell und spannend- und ich kann von allen Seiten perfekt darauf blicken, ist etwas ganz anderes als wenn man auf dem Boden füttert.
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Nachteile der Insel gibt es natürlich auch- die Verdunstungsrate ist sehr hoch, ich muss jeden zweiten Tag etwas Wasser nachgießen. Im RG leben sie nichtmehr, aber ich lasse es drin, sollte ich mal vergessen zu bewässern, finden die Ameisen hier eine Notlösung.


Ich bin momentan bemüht, die Messor in ein neues Nest umziehen zu lassen- ich habe ein Loch in das Plastikterrarium gebohrt, und einen Schlauch und ein Nest angeschlossen. Es ist mir einfach zu unsicher, die Ameisen weiterhin in dem ständig einstürtzenden Sand -in letzter Zeit ist es noch schlimmer, da das Volk mehr Platz braucht und entsprechend große instabile Räume gestaltet- zu Halten. Ein paar Tage lang befürchtete ich gar um das Leben der Königin, ich habe sie seit mehreren Wochen nicht mehr gesehen. Sie lagern bis jetzt nur ihre Brut dort, weil ich eine Heizmatte drangemacht habe, hoffe aber bald, indem ich das restliche trocknen lasse, das ganze Volk darin zu haben.
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Wie man glücklicher Weise erkennen kann, sind ganz junge Larven darunter – die Königin sollte also noch leben. Die Brutanzahl ist sehr beeidruckend, denn auch in dem Ytongnest befindet sich auch noch einiges. Das Volk ist größer, als ich dachte.
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Hier mit Ameisenbrot und frischgeschlüpften Arbeiterinnen im Hintergrund;
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Ich war letztes Wochenende paddeln an einer Rheinaue- interessant war das häufige Vorkommen von Camponotus truncatus. Ich habe ein tolles Nest gefunden. Es befand sich an einer Stelle im Baum, wo einst ein größerer Ast gewesen war. 5 Kleine Löcher befanden sich hier, und man kann gut erkennen, dass es bewohnt ist- ein Haufen Sägespäne befindet sich unter den Löchern, Auswürfe. Die Amiesen waren dabei, ihr Nest zu erweitern, und regelmäßig tauchten Arbeiterinnen auf, um ein paar Späne hinauswerfen. Darunter sowohl normale Arbeiterinnen, als auch die berühmte Tierschließermorphe.
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Hier sieht man eine Arbeiterin, die gerade in den Eingang verschwindet. Die Löcher sind rund, und bestens an den Kopf eines Soldaten angepasst (s. mittleres Loch).
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Ich sah einen Soldaten sogar außerhalb furagieren.
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Übrigens eher ein untypischer Ort für Camponotus truncatus, meinen bisherigen Beobachtungen nach bevorzugen sie morsche Äste, meist solche, in denen schon natürliche Hohlräume vorhanden sind.

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