Hallo,

ich bin fast jeden Tag, bzw. Abend, unterwegs. Am Mittwoch war es diesmal der alte, ehemalige Steinbruch, ein richtiges Trockenrasengebiet, in welchem auch ein Polyergus Vorkommen existiert.
Aber ich habe die Polyergus diesmal nur nebensächlich betrachtet, und mich der überraschend großen Artenvielfalt direkt in den besonnten und nur mit kleineren Pflanzen bewachsenen Gebiet befasst. Hier findet sich auch, falls das jemanden interessieren sollte, sehr häufig Cladonia. Ein Bild einer solchen Stelle;
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Jedenfalls waren neben Tetramorium, Serviformica (rufibarbis, clara, cunicularia) Lasius (psammophilus u. alienus) vor allem Myrmica unterwegs. Meinen bisherigen Beobachtungen kommen dort min. 3 verschiedene Arten vor, eine davon mit Sicherheit Myrmica sabuleti, die andere wahrscheinlich schencki (allerdings unklar). Hier ein Bild einer recht einheitlich gefärbten, recht roten Myrmica, die ich als sabuleti identifizieren würde. Man erkennt den typischen Knicks im Scapus;
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Die Arbeiterinnen wurden natürlich mit Honig angefüttert.

Die Lebensgemeinschaften der genannten Arten sind sehr beeidruckend und zweifelsfrei intakt, jede ökologische Nische ist durch eine Art besetzt. An den Grashalmen laufen immer wieder kleine Lasius empor, oberflächlich und groß rennen Serviformica umher. Im Grund leben Lasius flavus, die oft sehr große Hügel im Gras bilden, und im Unterholz und auch auf Pflanzen sind vorwiegend Myrmica unterwegs. Hier eine andere Art, ich bin mir sehr unsicher, aber möglicherweise könnte es sich um M. schencki handeln;

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Dann habe ich, zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, ein weiteres „Glied in der Kette“ gefunden. Bei der Zufütterung sind sie mir über den Weg gelaufen, klein und unauffällig, und sehr gelb. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die auf Trockenrasen häufig zu findende Temnothorax interruptus. Sehr hübsche Art, die Nester waren wahrscheinlich im Moos, oder zwischen Wurzeln, oder in den Flechten… Wer weiß. Sie scheinen ein interessantes Verhalten zu haben, so ist es zumindest im Seifert beschrieben, aktives und gekonntes Jagen auf Collembolen, Springschwänze. Und auch sonst scheint es einige Besonderheiten zu geben, Microgynen. Werde sie sicherlich nochmal aufsuchen, und genauer untersuchen. Die Lichtverhältnisse waren nicht so toll, daher ist das Bild auch nur in einer bescheidenen Qualität.
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Ganz kurz noch, möchte ich nochmals auf die Polyergus zu sprechen kommen. Denn tatsächlich entdeckte ich ein weiteres Volk, während ihres Raubzuges. Es war deutlich kleiner als das große, mir bekannte Volk. Ich habe mir mal eine Arbeiterin kurz ausgeliehen, und dann wieder zum Raubzug entlassen. Anders kann man die ja gar nicht gescheit knipsen.
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Und, überall an den Nestausgängen der Lasius, fanden sich viele Reste; Reste von Puppen. Momentan schlüpfen sie anscheinend überall fast zeitgleich.
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Und übrigens, auch andere Insekten gibt es natürlich. Ein Heupferd:
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Oder, dafür ist das Trockenrasengebiet sehr berühmt, Bläulinge en masse. Die Larven leben oft mit Myrmica zusammen, teilweise als Symbionten, teilweise als Parasiten (artabhängig).
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